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Helden der Formel 1 – Jochen Rindt

+++ Der legendäre Österreicher ist der einzige Pilot, der postum Weltmeister wurde +++

Gerade einmal 28 Jahre wurde Jochen Rindt alt. Am 5. September 1970 verlor einer der begnadetsten Fahrer aller Zeiten beim Abschlusstraining zum Großen Preis von Italien in Monza bei einem Unfall sein Leben.

Seinen größten Triumph, die gewonnene Weltmeisterschaft, konnte Rindt zu Lebzeiten somit nicht mehr feiern. Rindt fuhr in einer der gefährlichsten Zeiten in der Königsklasse, als die Piloten oftmals der Gefahr mehr als einmal tief ins Auge sehen mussten.

Weltmeister aus Mainz

Jochen Rindt ging mit österreichischer Lizenz an den Start in der Formel 1, geboren wurde er jedoch in Mainz. Als Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin verlor der 1942 geborene Rindt seine Eltern schon mit einem Jahr, als diese bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen.

Danach lebte der junge Rindt bei seinen Großeltern in Graz. In der Steiermark wuchs er fortan auf und begann auch mit dem Motorsport. Doch Zeit seines Lebens behielt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Sein Interesse galt früh dem Motorsport, erste Erfahrungen sammelte er 1961, am Steuer eines Abarth Simca 2000. Schon hier fiel er durch sein Draufgängertum auf, was ihm gleich bei seinem ersten Auftritt eine Disqualifikation wegen gefährlicher Fahrweise einbrachte. Mit dem Simca war Rindt nicht sonderlich erfolgreich, erst nach dem Wechsel auf einen Alfa Romeo GT 1300 stellten sich erste Erfolge ein.

Rasanter Aufstieg in die Königsklasse

1963 ging Jochen Rindt in der Formel Junior an den Start, danach ging es weiter in der Formel 2. Insgesamt kam er hier auf 29 Siege in seiner Laufbahn.

Als er 1967 parallel zur Formel 1 hier ganze neun Erfolge in einer Saison feiern konnte, gab ihm die Presse den Titel „König der Formel 2“. Da Rindt aber bereits in der Formel 1 aktiv war, konnte er hier keine Meisterschaftszähler einfahren.

Sein Debüt in der Formel 1 gab Rindt unterdessen bereits im Jahr 1964 im Team von Brabham-BRM beim Großen Preis von Österreich. Ab 1965 war der Mann mit dem markanten Gesicht dann Stammpilot. Beim britischen Traditionsrennstall von Cooper ging er von 1965 bis 1967 an den Start.

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Doch Cooper war nicht auf der Höhe der Zeit, so dass Rindt sein erstes Podiums-Ergebnis erst in seinem zweiten Jahr bei der Mannschaft erzielen konnte. Bei teilweise starkem Regen kämpfte er sich beim Großen Preis von Belgien auf dem zweiten Platz ins Ziel. WM-Rang Drei am Ende des Jahres zeigte, welches Talent hier am Werk war.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. 1967 war der Cooper-Bolide nicht konkurrenzfähig, für 1968 entschloss er sich zu einem Wechsel zu Brabham. Doch auch hier kein Glück, denn die Briten hatten mit enormen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dafür war Rindt jedoch an anderer Stelle schon längst erfolgreich gewesen.

Le-Mans Sieg mit 23 Jahren

Jochen Rindt bewegte jedes Gefährt am Limit, so auch die Sportwagen, die bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gingen. Insgesamt vier Mal nahm Rindt beim Langstreckenklassiker in Frankreich teil und bereits bei seiner zweiten Teilnahme holte er sich den Gesamtsieg.

Der Sieg kam unerwartet, denn Rindt selber setzte nicht viele Hoffnungen in sein Gefährt, einen Ferrari 250LM. Der Deutsch-Österreicher war derjenige Pilot, der das Gros der Fahrzeit in der Dunkelheit absolvierte. Auch in Le Mans zeigte sich der schnelle Mann draufgängerisch, so wie in seiner ganzen und leider viel zu kurzen Karriere

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Wechsel zu Lotus – Aufstieg an die Spitze

Für die Saison 1969 wechselte Rindt zum Team von Lotus. Nach etwas zähem Beginn feierte er beim Großen Preis der USA Ende des Jahres seinen ersten Grand Prix-Erfolg.

Colin Chapman, der legendäre Teamboss des Traditionsrennstalls, war zu dieser Zeit besonders umstritten. Wie kein Zweiter ging er an technische Grenzen, als die Heckflügel in der Formel 1 auftauchten. Manche Konstruktion war dabei abenteuerlich, so erlebten Rindt und sein damaliger Teamkollege Graham Hill schon 1969 beim Großen Preis von Spanien schwere Unfälle. Rindt kam damals noch mit einem Nasenbeinbruch und einer Gehirnerschütterung davon.

Lotus brachte für die Saison 1970 neben dem Modell Lotus 49 auch eine weitere Neukonstruktion an den Start. Der Lotus 72 kam mit vielen Neuerungen und einer ausgeprägten Keilform daher, Jochen Rindt nahm die Saison allerdings noch im alten Modell in Angriff, bevor er auf den neuen Boliden wechselte. Mit fünf Siegen gelang ihn in diesem Jahr der Durchbruch und er war auf dem Weg zum WM-Titel.

Doch dann machte der Formel 1-Tross Halt in Monza. Bei der Anfahrt zur Parabolica-Kurve war es wahrscheinlich eine Bremswelle, die am Lotus-Boliden brach und Jochen Rindt keine Chance ließ. Er verstarb noch an der Rennstrecke. Am Ende des Jahres war es seine Witwe Nina, die den Pokal für die Weltmeisterschaft entgegennahm. Ironischerweise sagte Rindt noch in der Saison 1969: „Bei Lotus kann ich entweder Weltmeister werden oder sterben“. Einer der größten Draufgänger des Sports sollte leider mit beiden Dingen Recht behalten.

Titelbildquelle: swr.de