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Jochen Rindt: Eine Legende der Formel 1

Nach tödlichem Unfall Weltmeister posthum

Legenden lebten ihr Leben zumeist auf der Überholspur, galten als charismatische Draufgänger, welche die Massen fasziniert haben und sind viel zu früh gestorben. Jochen Rindt ist zu einer solchen Legende geworden. Wie kaum ein anderer heizte der Österreicher mit deutschen Wurzeln durch den Motorsport. Seinen größten Triumph hat er selbst allerdings nicht mehr erlebt. Mit nur 28 Jahren starb Jochen Rindt einen tragischen Unfall-Tod auf der Rennstrecke von Monza und wurde als bisher einziger Rennfahrer posthum Formel-1-Weltmeister.

Rennfahrer mit deutschen Wurzeln

Diese Biographie liest sich wie ein Drehbuch mit dramatischem Höhepunkt. Als Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin 1942 in Mainz geboren, verlor Jochen Rindt als damals Einjähriger Mutter und Vater bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Aufgewachsen ist er fortan bei seinen Großeltern in Graz.

Obgleich er seine deutsche Staatsbürgerschaft behalten hatte, ging er als junger Mann mit österreichischer Lizenz an den Start. Sein Interesse für den Motorsport erwachte früh. Erste Erfahrungen sammelte Jochen Rindt 1961 am Steuer eines Abarth Simca 2000. Schon hier fiel er durch sein Draufgängertum auf, was ihm gleich bei seinem ersten Auftritt eine Disqualifikation wegen gefährlicher Fahrweise einbrachte.

Erst nach seinem Umstieg auf einen Alfa Romeo GT 1300 stellten sich erste Erfolge ein.

Formel 1: Rasanter Aufstieg in die Königsklasse

1963 ging Jochen Rindt in der Formel Junior an den Start und wechselte bereits 1964 in die Königsklasse. Beim Großen Preis von Österreich gab er als Pilot von Brabham-BRM sein Debut in der Formel 1. Ab 1965 war der Mann mit dem markanten Gesicht dann Stammpilot.

Beim britischen Traditionsrennstall von Cooper ging er von 1965 bis 1967 an den Start. Doch Cooper war nicht auf der Höhe der Zeit, sodass Rindt sein erstes Podiums-Ergebnis erst in seinem zweiten Jahr bei der Mannschaft erzielen konnte. Bei teilweise starkem Regen kämpfte er sich beim Großen Preis von Belgien auf dem zweiten Platz ins Ziel. WM-Rang Drei am Ende des Jahres zeigte, welches Talent hier am Werk war.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. 1967 war der Cooper-Bolide nicht konkurrenzfähig, für 1968 entschloss er sich zu einem Wechsel zu Brabham. Doch auch hier kein Glück, denn die Briten hatten mit enormen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dafür war Rindt jedoch an anderer Stelle schon längst erfolgreich gewesen.

Als er 1967 parallel zur Formel 1 allein neun Erfolge in einer Saison in der Formel 2 einfuhr, gab ihm die Presse den Titel „König der Formel 2“. Da Rindt aber bereits in der Formel 1 aktiv war, konnte er hier keine Meisterschaftszähler einfahren.

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Ferrari: Le-Mans-Sieg mit 23 Jahren

Jochen Rindt bewegte jedes Gefährt am Limit, so auch die Sportwagen, die bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gingen. Insgesamt vier Mal nahm Rindt beim Langstreckenklassiker in Frankreich teil und bereits bei seiner zweiten Teilnahme im Jahr 1965 holte er sich den Gesamtsieg.

Der Erfolg kam unerwartet, denn Rindt selber setzte nicht viele Hoffnungen in seinen Ferrari 250LM. Der Deutsch-Österreicher war derjenige Pilot, der das Gros der Fahrzeit in der Dunkelheit absolvierte. Auch hier hinterließ der 23-jährige Rindt äußerst waghalsige Akzente auf der Straße.

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Mit Lotus an die Spitze

Für die Saison 1969 wechselte Rindt zum Team von Lotus. Nach einem etwas zähen Beginn feierte er beim Großen Preis der USA Ende des Jahres seinen ersten Grand Prix-Erfolg.

Colin Chapman, der legendäre Teamboss des Traditionsrennstalls, war zu dieser Zeit sehr umstritten. Wie kein Zweiter ging er an technische Grenzen mit zum Teil abenteuerlichen Konstruktionen. So katapultierte sich Jochen Rindt schon 1969 beim Großen Preis von Spanien in einen schweren Unfall. Damals kam der Formel-1-Pilot noch mit einem Nasenbeinbruch und einer Gehirnerschütterung davon.

Lotus brachte für die Saison 1970 neben dem Modell Lotus 49 auch eine weitere Neukonstruktion auf die Rennstrecken der Welt. Der Lotus 72 kam mit vielen Neuerungen und einer ausgeprägten Keilform daher. Mit fünf Siegen gelang ihm in diesem Jahr der Durchbruch und er war auf dem Weg zum WM-Titel.

jochen Rindt
Jochen Rindt beim Großen Preis von Frankreich, 1966.

Unfall: Tragischer Tod in Monza

Im September 1970 machte der Formel 1-Tross Halt in Monza - für Jochen Rindt zum letzten Mal. Sein Lotus 72 soll während des Abschlusstrainings beim Anbremsen der Parabolica-Kurve plötzlich nach links ausgebrochen und mit Tempo 280 in die Leitplanken gekracht sein. Der Anprall war so heftig, dass ein Rad unter den Leitplanken durchrutschte und hängenblieb, das vordere Drittel des Autos wurde weggerissen.

Zur genauen Todesursache von Jochen Rindt heißt es, er wäre nicht korrekt angeschnallt gewesen und habe sich beim Aufprall am Armaturenbrett und am Gurtschloss tödlich an Halsschlagader und Luftröhre verletzt.

Jochen Rindt verstarb noch an der Rennstrecke - wenige Meter entfernt von seiner Frau Nina Lincoln.

Ein Jahr vor seinem Tod hatte Rindt noch eine denkwürdige Aussage getroffen:

Bei Lotus kann ich entweder Weltmeister werden oder sterben,mit beiden Aussagen sollte Jochen Rindt recht behalten.

1970: Jochen Rindt wird Weltmeister posthum

Nur eineinhalb Monate später sollte das Unfassbare eintreten: Jochen Rindt hat die Weltmeisterschaft gewonnen. Kein anderer Fahrer konnte seinen Punktestand mehr übertreffen.

Es war Rindts Witwe Nina Lincoln, die dem WM-Pokal für ihren verstorbenen Mann entgegennahm. Für das finnische Topmodel und die gemeinsame Tochter Natascha Rindt ein Ereignis, das gleichermaßen von Stolz und Trauer durchwachsen gewesen sein dürfte.

Doku: Jochen Rindts letzter Sommer

Das tragische Schicksal von Jochen Rindt bewegt bis heute. Vier Jahrzehnte nach seinem Tod auf der Rennstrecke blickt die Doku "Jochen Rindts letzter Sommer - Ein Toter wird Weltmeister" zurück auf die Lebensetappen einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Privates Filmmaterial aus dem Besitz von Jochen Rindts Frau Nina verbinden sich mit eindrucksvollen Bildern aus den Archiven von ARD, ORF und ZDF. Zeitzeugen und Weggefährten wie Jacky Ickx, Niki Lauda, Bernie Ecclestone, Herbie Blash, Heinz Prüller, Helmut Zwickl, Erich Walitsch und viele andere erinnern sich an den Menschen und Rennfahrer Jochen Rindt.