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Marco Wittmann – An der Spitze der DTM

Der Blick auf eines der hoffnungsvollsten deutschen Motorsporttalente

Beim diesjährigen Saisonfinale der DTM im badischen Motodrom des Hockenheimrings konnte Marco Wittmann im Alter von 26 Jahren bereits seinen zweiten Titelgewinn feiern. Der bodenständige Franke, in Fürth geboren, musste trotz eines relativ guten Punktepolsters mindestens Rang 5 im abschließenden Rennen erzielen, sein Ergebnis war typisch für den intelligenten Piloten. Rang 4 fuhr er sicher nach Hause, das war genug, um die Meisterschaft in seinem vierten Jahr bereits zum zweiten Mal für BMW zu holen.

Marco Wittmann ist sauschnell, das steht außer Zweifel. Bei vielen jungen Piloten ist dies heutzutage oft gepaart mit einem Hauch Übermotivation und Aggression auf der Rennstrecke. Hier ist Wittmann eine Ausnahme. Der junge Pilot hat sich dadurch Respekt im Fahrerlager und bei seinen Chefs verdient – Harakiri-Aktionen kennt man von ihm nicht.

Als die Zielflagge der DTM Saison 2016 in Hockenheim fiel, hatte sich aber auch der Champion dann eine große Feier verdient. Es wurde spät an jenem Oktoberabend hinter den Boxen, so spät, dass der Meister doch glatt seinen geplanten Auftritt beim ARD-Morgenmagazin verschlief. Das macht den Rennfahrer in einem Feld von Markenbotschaftern par excellence dann aber auch gleich wieder sympathisch. Auf der Rennstrecke kann sich BMW jedenfalls über die Leistungen von Wittmann nicht beschweren und darauf kommt es an.

Die frühen Jahre und der Vizefluch

Marco Wittmann begann seine motorsportliche Laufbahn ganz klassisch im Kartsport. Mit 6 Jahren saß er bereits im kleinen Flitzer. Der Titel des deutschen Junioren-Kartmeisters konnte er sich im Jahr 2004 sichern. Nach zwei weiteren Jahren im Kart folgte 2007 der Umstieg in den Formelsport. In seiner Debütsaison in der Formel BMW überzeugte er mit Gesamtrang 5, beim damaligen Weltfinale musste er sich nur ganz knapp mit Rang 2 begnügen.

2008 hieß es dann Formel BMW Europe und Wittmann war wieder stark unterwegs, aber wieder reichte es nur zu Rang 2, dieses Mal hinter dem heutigen Formel1-Piloten Esteban Gutierrez. Die Laufbahn des Franken ging nun klassisch weiter im Formelsport. Logischer Schritt war nun die Formel3, in der Euroserie konnte er zwar Siege einfahren, aber in beiden Jahren reichte es erneut nur zu Vizetiteln, einmal auch hinter einem gewissen Edoardo Mortara, der am Ende des Jahres 2016 der einzig verbliebende Konkurrent um die DTM-Krone war.

Mega Marco – im BMW an die Spitze

2011 durfte Wittmann dann erstmals in das Cockpit eines DTM-Boliden klettern. Er hinterließ beim ersten Auftritt im Rennwagen mit Dach einen derart guten Eindruck, dass man ihn für das Folgejahr als Testfahrer engagierte – der junge Mann hatte BMW-Motorsportchef Jens Marquardt ziemlich beeindruckt. In der Folge konnte der gelernte Karosseriebauer immer wieder überzeugen – die Belohnung war die Berufung in den DTM Kader 2013.

Im Eingewöhnungsjahr im Deutschen Tourenwagen Masters konnte er sich gleich seine erste Pole Position sichern, dazu gab es zwei schnellste Rennrunden zu verbuchen. Im Team von MTEK hatte er mit dem ehemaligen Formel1-Fahrer Timo Glock keinen leichten Gegner, diesen aber meistens im Griff.

Den großen Durchbruch schaffte Wittmann dann in der Saison 2014. Obwohl er einen Teamwechsel vollzog und für die Mannschaft von RMG nun an den Start ging, sollte es endlich sein Jahr werden. Dem Team aus der Eifel fiel BMW-intern alles andere als die Favoritenrolle zu, doch gleich das Auftaktrennen auf dem Hockenheimring konnte Wittmann für sich entscheiden. Danach war er nicht mehr zu stoppen und gewann die Läufe auf dem Hungaroring, in Österreich und auch auf dem Nürburgring.

Bereits beim drittletzten Rennen des Jahres in der Lausitz auf dem Eurospeedway konnte er sich zum Meister küren – der jüngste DTM-Champion in der Historie der Rennserie zu diesem Zeitpunkt. Damals reichte ihm ein 6. Rang, unnötiges Risiko ging er schon damals nicht ein und der Erfolg gab und gibt ihm immer noch Recht. Wittmann geht analytisch zu Werke, das mag manchem Zuschauer zwar weniger gefallen, aber seine Ergebnisse sprechen eindeutig für ihn.

Marco Wittmann ist sonst eher ein ruhiger Pilot, wenig glamourös, dafür analytisch und erfolgreich – letztlich zählt es eben auf der Strecke und nicht daneben.

Eintrag in die BMW-Geschichtsbücher

Nach dem vorzeitigen Titelgewinn musste sich aber auch der Überflieger im Folgejahr mit Gesamtrang 6 begnügen. In der DTM geht es eng zu, Verschiebungen in den Leistungsfähigkeiten der beteiligten Hersteller Audi, BMW und Mercedes machen es schwierig, sich auf Dauer vorne festzusetzen. Doch Marco Wittmann war klar, dass er zurück an die Spitze des Feldes wollte. 2016 musste er zwar bis zum Finale warten, dafür zeigte er hier auch wieder Nerven aus Stahl.

Edoardo Mortaro gewann das letzte Rennen für Audi, doch Wittmann ließ sich nicht beirren und brachte die notwenigen Punkte nach Hause. Anders als noch zu Formel3-Zeiten wendete sich das Blatt und erneut schrieb der Fürther Geschichte, vor allem auch für BMW Motorsport. Er ist der erste Fahrer, der für BMW zwei DTM-Meisterschaften gewinnen konnte.

BMW-Motorsportchef Jens Marquardt ist jedenfalls voll des Lobes für seinen Fahrer: „Er hat einfach keine Schwächen. Er ist extrem schnell im Qualifying, wenn es auf eine fliegende Runde geht, gleichzeitig kann er sich ein Rennen perfekt einteilen und sehr intelligent fahren. Diese Kombination aus schierem Speed und Köpfchen ist der Stoff, aus dem Champions sind. Das ist in jeder Rennserie gleich und es gibt nicht viele Fahrer mit diesen Eigenschaften. Daher sind wir natürlich mehr als froh, Marco bei uns an Bord zu haben.“

Es war vor allem die Konstanz, die 2016 den Titel wieder in die Hände von BMW und Wittmann brachten. Drei Rennsiege und Punkte hamstern waren der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man auf den Gesamtstand der diesjährigen Meisterschaft schaut, folgt der nächste BMW-Pilot erst auf Platz 6 mit fast halb so vielen Punkten wie Wittmann. „Er hat die Messlatte für die anderen Fahrer sehr hoch gelegt“, so der BMW-Chef in Sachen Motorsport.

Starallüren Fehlanzeige

Der mediale Trubel rund um solch eine Meisterschaft ist nichts für Wittmann, der Franke fühlt sich im Auto einfach wohler. Seine Ausbildung als Karosseriebauer im elterlichen Betrieb hat ihn auf dem Boden gehalten und vor allem weiß er die Arbeit seiner Mechaniker sehr hoch zu schätzen. Sein Auftreten bleibt bescheiden, lediglich der Aberglaube begleitet den Rennfahrer Wittmann bei jedem Rennen.

Der Weg ins Cockpit beginnt für ihn stets mit dem rechten Fuß zuerst. Und bei den Handschuhen wird erst der linke angezogen, das hält er seit seiner Zeit als Kartfahrer so bei. Nächstes Jahr behält er im Gegensatz zu 2015 seine Startnummer 11 bei. Die hat ihm in dem Jahr nicht so recht Glück gebracht.

Die Karriere des Marco Wittmann ist noch lange nicht am Ende und schon jetzt in seinen frühen Jahren gehört er zu den Tourenwagen-Größen. Lediglich vier Fahrer vor ihm gewannen die DTM-Meisterschaft mehr als einmal. Ein Ende seiner Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht, BMW wird er sicherlich weiter treu bleiben und man darf gespannt sein, was er abseits der DTM auch in Zukunft noch leisten wird.