Water

Die gefährlichsten Wellen der Welt - Teil 3: Australien

+++ Shipstern Bluff, Ours und Cyclops: In Australien will dich sogar das Wasser umbringen +++

Australien hat Wellen zu bieten, die so wunderschön, so einzigartig und gleichzeitig so tödlich sein können, wie das Outback selbst. Während Hawaii und die USA inzwischen auch an den gefährlichen Surfspots nahezu überrannt werden, sind die Monsterwellen Australiens noch fast unentdeckt. Dies mag allerdings oftmals auch an der schweren Erreichbarkeit liegen. So muss man von der Südostküste Tasmaniens noch eine 30 Kilometer lange Jet-Ski-Fahrt auf sich nehmen, um Shipstern Bluff zu erreichen. Das ist eine riesige Klippe in Form eines Schiffes, vor welcher die gleichnamige Welle ihre ganze Kraft und Schnelligkeit zeigt.

Kommt eine große Winterdünung aus Süd-Südwest auf die Küste zu, trifft dort tiefes und sehr kraftvolles Ozeanwasser auf ein großes flaches Riff. Der Höhenunterschied ist so enorm, dass das Wasser des vor der Welle liegenden Riffs förmlich ausgesaugt und in die Welle gezogen wird. Ist die Welle also vor dem Riff noch gerade mal drei Meter hoch, verdoppelt sich ihre Größe innerhalb von Sekundenbruchteilen und formt eine massige, dicke Lip. Das scharfkantige und unebene Platten-Felsenriff, welches dann nur noch wenige Zentimeter unter Wasser liegt, sorgt dafür, dass die Welle ihre unverwechselbare, mehrlippige und mit Kanten und Beulen versehene Form bekommt. Nicht umsonst trägt Shipsterns Bluff auch den Namen „der Mutant“ oder „Devil’s Point“. Denn hat man erstmal den schweren Drop geschafft, gilt es, die unberechenbaren Stufen, die durch die Felsen geformt werden, zu überwinden und die Kontrolle zu bewahren. Stürzt man doch einmal in das 13 °C kalte Wasser, warten demnach nicht nur die riesige Granitplatte, sondern auch bereits die nächsten Wellen des Sets darauf, den Surfer kräftig umherzuwirbeln. Daher ist es am Devil’s Point unerlässlich, dass die Jet-Ski-Fahrer nicht nur zu den besten gehören, sondern auch genügend erste Hilfe Equipment und know-how besitzen. Das nächste Krankenhaus ist nämlich erst nach einer drei- bis vierstündigen Fahrt zu erreichen.

Ours – Wenn eine Surf Gang eine Welle für sich beansprucht

Vor Sydneys Küste befindet sich das Cape Solander und darin das Cape Fear, in dem die nächste gefährliche Welle lauert. Dort trifft die Dünung ebenfalls aus großen Untiefen auf ein langes flaches Riff, was zu einer extrem schnellen und geradezu explosiven Wellenbildung führt. Fast wie aus dem Nichts entstehen die über zwei Meter hohen Wellen mit der meterdicken Lip. Den Drop muss der Surfer übrigens alleine schaffen, denn der plötzliche Höhenunterschied bildet Strudel im Wasser, die den Jet Skis keinen Halt geben. Sobald die Welle bricht befindet sie sich über einer großen, flachen, schmierigen und messerscharfen Felsenplatte und rauscht kurz darauf direkt auf die nächsten Felsformationen zu, die weit übers Wasser ragen. Eine ganz andere Gefahr die dort lauert, ist nicht marinen Ursprungs. Die Surf Gang „Bra Boys“, denen auch die ein oder andere kriminelle Machenschaft nachgesagt wird, hat das Cape Solander nämlich zu ihrem Territorium erklärt und den Reefbreak kurzerhand in den sehr ausdrucksstarken Namen „Ours“ (dt. unser) umbenannt. Am Cape Fear sollte man den Kodex „respect the locals“ also lieber ganz besonders ernst nehmen.

Der Zyklop der dich verschlingen will

Die wahrscheinlich heftigste Welle die Australien zu bieten hat, befindet sich an der südlichen Küste von Western Australia. Damit das Monster, das den wundervollen Namen Cyclops trägt, überhaupt annähernd gesurft werden kann, muss allerhöchste Flut sein. Denn ansonsten ist das Wasser gar nicht erst tief genug um das Felsenriff vollständig mit Wasser zu bedecken. Selbst bei Flut liegt es nur wenige Zentimeter darunter, wenn die Wassermassen anrollen und das Wasser aus dem Riff saugen, um sich zu einer absolut einzigartigen ovalen Barrel zu formen, dem sie ihren charmanten Namen Cyclops (dt. Zyklop) zu verdanken hat. Die scharfen Felsen am Riff sorgen auch hier wieder für ganz unverwechselbare Buckel in der Wasserfront, die sich schneller aufbauen, als das sie brechen können. Aus diesem Grunde formt sich eine spektakuläre und bis zu drei Meter dicke Lip. Als wäre das noch nicht beeindruckend und bedrohlich genug, kann sich Cyclops innerhalb weniger Augenblicke bis zu acht Meter auftürmen, bereit, jedem der versucht, sie zu bezwingen, die pure Gewalt der Natur zu präsentieren. Mark Mathews, ein australischer Pro-Big-Wave-Surfer, beschrieb diese Welle als geradezu hypnotisierend zu beobachten doch zugleich auch beängstigender und heftiger als er es trotz der äußeren Erscheinung eh schon erwartet hatte. Einige Jahre ist es mittlerweile her, dass er all seinen Mut zusammen nahm um sie zu reiten. „Ich denke, wäre ich am Fuße der Welle hingefallen, wäre ich heute nicht mehr in der Lage, zu surfen.“ sagte Mathews bevor er sich selbst schwor, Cyclops nie wieder zu reiten.