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Wie Fischtown die DEL aufmischen will

Die Bremerhaven Pinguins starten erstmals in der Deutschen Eishockey Liga

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) startet Mitte September in ihre 23. Saison. Unter den 14 Teams mischt erstmals seit Jahren wieder ein Neuling mit. Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Der Zweitliga-Aufsteiger aus dem hohen Norden rückte für die Hamburg Freezers in die Beletage des deutschen Eishockeys auf. Die Hamburger mussten sich zähneknirschend aus der DEL zurückziehen. Ihr Hauptsponsor, die amerikanische Anschutz Entertainment Group, drehte den Geldhahn zu. Der Investor unterstützt in Deutschland künftig nur noch Rekordmeister Eisbären Berlin.

Den freien Platz in der DEL nimmt ab der Saison 2016/17 Bremerhaven ein. Die Pinguine hatten sich als einziger Verein der 2. Bundesliga (DEL 2) um die Lizenz beworben und erhielten Ende Juni den Zuschlag. „Dieser Tag ist ein Erfolg für das gesamte Bremerhavener Eishockey. Wir werden ihn genießen, um danach die Segel zu setzen und mit achterlichem Wind und guter Fahrt in die erste DEL-Saison zu segeln“, jubelte Bremerhavens Team-Manager Alfred Prey.

Seitdem trieb der DEL-Neuling, der in der vergangenen Zweitliga-Saison schon im Play-off-Viertelfinale ausschied, seine Planungen voran. Finanziell plant der Verein mit rund 3,5 Millionen Euro – der kleinste Etat der DEL. „Wir haben in der Vergangenheit versucht, wirtschaftlich vorsichtig zu arbeiten und werden dies auch in Zukunft tun. Wir starten mit einem soliden Etat in die neue Liga und versuchen, Jahr für Jahr besser zu werden“, erklärte Geschäftsführer Hauke Hasselbring.

Sportlich wurde die Mannschaft auf DEL-Niveau getrimmt. Nur neun Spieler blieben, 18 Profis kamen hinzu. Zu den namhaften Neuzugängen zählen Torwart Jani Nieminen (Finnland), Verteidiger Kevin Lavallee (Iserlohn Roosters) und Stürmer Corey Quirk (Dänemark). Der Finne Atte Pentikäinen (kam von Champions-League-Finalist Oulu Kärpät) und Mike Moore, der schon für die San José Sharks in der nordamerikanischen Profiliga NHL auflief, sollen die Abwehr zusammenhalten. „Wir haben als Team zusammenzuwachsen. Aber dann werden wir für Furore sorgen und konkurrenzfähig sein“, verkündete Trainer Thomas Popiesch vor dem Saisonstart gegen Vize-Meister Wolfsburg selbstbewusst.

Vor der DEL-Premiere könnte die Euphorie an der Unterweser nicht größer sein. Verein, Fans und Region sind heiß auf Spitzen-Eishockey. Bremerhaven gehört seit 2000 der 2. Bundesliga an, wurde seitdem zweimal Meister (2002, 2014) und zweimal Vize-Meister. Zudem sorgte der Underdog 2006/07 im DEB-Pokal für Furore, warf die DEL-Teams aus Düsseldorf und Frankfurt raus und schied erst im Halbfinale gegen den späteren Champion Mannheim aus.

Auch international setzten die Pinguine bereits Ausrufezeichen. Nach dem Gewinn der DEL 2-Meisterschaft 2014 nahmen die See-Städter am zweitklassigen IIHF Continental Cup teil. Dabei erreichten sie sensationell das Final-Turnier. Hier musste sich der Außenseiter nur dem weißrussischen Vertreter Hrodna geschlagen geben.

Die Bedingungen sind in Fischtown längst erstligareif. Vor fünf Jahren zog das Team in die größere Eisarena Bremerhaven, die 4425 Zuschauer fasst. Zuletzt strömten durchschnittlich 4280 Fans zu den Heimspielen. Damit ließ der Neuling in der Zuschauergunst schon drei Erstliga-Klubs hinter sich. Alles gute Voraussetzungen, um langfristig in der DEL zu bestehen. Manager Prey bei Radio Bremen: „Es war ein langer und harter Weg. Nun muss es unser Bestreben sein, das Erreichte zu verteidigen. Man kann wirklich sagen, es ging ein Lebenstraum in Erfüllung.“