Water

Köster wieder auf dem Brett

Windsurfer nach 10-monatiger Kreuzbandverletzung auf Gran Canaria zurück im Geschehen

Die Windsurf-Saison geht wieder los. Beim Saison-Auftakt der Windsurfer in Pozo/Gran Canaria (9. bis 15. Juli) geht die Weltelite erstmals in 2017 an den Start. Mit dabei, nach 10-monatiger Verletzung, auch Philip Köster. "Ich setze mich nicht unter Druck, sondern will mich langsam wieder an meine Leistungsgrenze heranarbeiten und Wettkampf-Praxis sammeln", sagte der 23-Jährige gegenüber Ispo.com: "Der Kampf um den WM-Titel ist für mich eigentlich erst im nächsten Jahr wieder ein Thema." Im vergangenen September hatte er sich bei einem Sprung das vordere und hintere Kreuzband sowie das Innenband im rechten Knie gerissen. Zudem trug er einen lädierten Meniskus davon. Nun kehrt er auf vertrautem Terrain zurück auf die Bühne, die ihm die Welt bedeutet. Gran Canaria weckt bei Köster positive Erinnerung, denn dort konnte er bislang zweimal gewinnen und auch überhaupt sollten ihm die Bedingungen liegen. Seitdem er surfen kann, ist die Insel seine Wahlheimat, auf der er das Surfen von der Pike auf lernte.

Philip Köster holte 2011 mit 17 Jahren als erster deutscher Surfer den Weltmeistertitel im Wellenreiten. 2012 und 2015 wurde er jeweils nochmal Weltmeister. Sein Comeback gab er erst kurz vor Start auf Gran Canaria bekannt. Eine neue Schiene schützt nun sein Knie. „Ich habe kurzfristig eine neue Schiene bekommen und bin eigentlich wieder fit, bis auf leichte Schmerzen bei den Landungen. Also: Ja, ich werde starten, allerdings wohl noch nicht in den Titelkampf eingreifen. Ich sehe das eher als Wiedereinstieg in den Worldcup, aber dennoch versuche ich, alles zu geben und anzugreifen soweit es möglich ist“, sagte er auf Ispo.com. „Das Vertrauen habe ich sehr schnell wiedergefunden. Wenn eine perfekte Welle kommt, juckt es mich, schon wieder die ganz hohen, coolen Sprünge wie den Double Loop zu machen. Aber dann denke ich mir: ‚Nimm dir lieber Zeit‘. Die erste Zeit nach der Verletzung war nur ziemlich schwierig. Da habe ich mir die Wettkämpfe live im Stream angeschaut. Das war keine so gute Idee, weil es besonders weh getan, nicht selbst dabei zu sein. Diese Zwangspause hat mich eher noch motivierter gemacht.“

Ungewollt ein Social-Media-Star

Philip Köster wollte früher einfach nur Surfen, für ihn war das kein Job, sondern sein Hobby mit dem er zufällig noch Geld verdienen konnte, aber ohne sich zu versteifen. Auch die sozialen Medien bediente er früher nur selten, obwohl seine Fans süchtig nach neuen spektakulären Bildern seiner Karriere sind. „Das gehört halt heutzutage dazu. Ich war früher immer dagegen, aber inzwischen mache ich das auch, obwohl ich es selbst nicht unbedingt brauche. Ich kann auch mal gut ohne mein Handy eine Reise machen, da hätten die meisten anderen wahrscheinlich schon Entzugsprobleme.“ Ein Argument für die Einstellungsumstellung sind die Sponsoren. Sie ermöglichen ihm sehr viel und wollen im Gegenzug spektakuläre Performance – auf dem Wasser und im Netz. Die Sponsoren schauen halt heutzutage auch auf Likes und Follower. Um den Sport ganz nach dem Motto „höher, weiter, schneller“ noch sensationsgeladener aufzustellen, machte Volkswagen für einen Werbespot kurzerhand aus einem Double Loop einen Vierfach Loop. „Viele Leute haben das geglaubt und mir gratuliert. Dabei kämpfe ich seit Jahren drum, den Triple Loop zu schaffen und zu filmen“, klärte er dann allerdings auf.

Der 23-Jährige ist dabei nicht Einer, der typischen Surfer, denen man nachsagt, in den Tag reinzuleben und die sich keine Gedanken, um das Leben nach dem Surfen machen. „Ich möchte mir mit meinem Sport auch ein Polster für später aufbauen. Ich bin keiner, der sein Geld dumm ausgibt und sich eine Yacht oder ein schnelles Auto kauft. Auf Gran Canaria kann man sowieso nicht schnell fahren.“ Köster steht eher auf das Reisen, im Gegensatz dazu gibt es u.a. Robby Naish, der mit seinem Ferrari dann schon mal seinen Lifestyle zelebriert.

Triple Loop – das große Ziel

„Ich versuche ja schon seit zwei Jahren den Triple Loop zu machen. Vielleicht klappt es ja im November bei der Storm Chase von Red Bull. Die schauen ja immer auf der Weltkarte, wo der größte Sturm ist, und dann fliegen sie die besten Surfer der Welt dahin. Das ist ein Riesenevent.“ Doch erstmal möchte er verletzungsfrei durch die ersten Wettkämpfe kommen. Und mit 23 steht ihm noch eine lange Karriere vor ihm. Erreicht hat er schon fast alles. Drei Weltmeistertitel sprechen für sich. Er muss es keinem beweisen, er hat einfach Bock auf den Sport und will Titel und Rennen gewinnen. Und wenn er dann mal das ein oder andere Selfie mehr machen muss, wird er es dankend über die Bühne bringen.