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Krebs überwunden: Der höchste Sprung des Tim Lobinger

Wie der deutsche Ex-Stabhochspringer den Kampf gegen den Blutkrebs gewann

„Verlieren ist keine Option.“ Treffender könnte der Titel von Tim Lobingers Buch nicht lauten. Darin schildert der ehemalige Weltklasse-Stabhochspringer seinen Kampf gegen den Krebs. Nach seiner aktiven Laufbahn erkrankte Tim Lobinger 2017 im Alter von 44 Jahren an einer besonders aggressiven Form der Leukämie. Heute scheint der mittlerweile 46-Jährige den Kampf gegen den Blutkrebs gewonnen zu haben. Seine größten Mutmacher in dieser schweren Zeit waren seine drei Kinder.

Leukämie: So heftig traf Tim Lobinger der Krebs

Nach Chemo, Bestrahlung und Stammzelltransplantation geht für Tim Lobinger eine zweijährige Leidenszeit zu Ende. Im März 2017 erhielt er die niederschmetternde Diagnose Leukämie. „Es war, wie wenn man einen Fahrradunfall hat: Man erlebt alles in Zeitlupe. Im Kreise meiner Familie habe ich danach erstmal bitterlich geweint, bis ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen bin. Auch am nächsten Tag habe ich noch viel geweint. Dann habe ich angefangen, nach vorne zu schauen“, wird Lobinger im Spiegel zitiert.

Lobinger, ganz der Wettkampfsportler, sagte dem Krebs den Kampf an: „Das war wie zu meinen aktiven Zeiten eine Grenzerfahrung. Es ist wie die Bestleistung im Krafttraining oder das Angehen einer Höhe, die man noch nicht überwunden hat. Am Ende des Tages geht es darum, sich zusammenzureißen und eine Strategie zu entwerfen, um das hinter sich zu bringen und zu gewinnen. Oder um zu überleben. Dieses Vorgehen hat mir während der Chemotherapie wirklich geholfen“, sagte Lobinger dem Internetportal leichtathletik.de.

Strategien, die er schon als aktiver Leichtathlet entwickelt hatte. Lobinger galt immer als überaus ehrgeizig. Der Stabhochspringer wurde 2003 Hallen-Weltmeister, im Freien gewann er bei den Europameisterschaften 2002 in München Bronze und bei der EM 2006 in Göteborg Silber. Zudem war er der erste Deutsche, der über sechs Meter sprang.

Tim Lobinger

Familie über alles: Seine Kinder gaben Tim Lobinger Kraft

"Ist meine Krankheit vererbbar? Ich habe drei Kinder …", diese Frage war für Tim Lobinger die wichtigste, nachdem ihm Professor Keller die Diagnose Krebs überbracht hatte. Trotz Erleichterung, dass dies nicht der Fall sei, brach der zum Zeitpunkt 44-Jährige beim Gedanken an seine drei Kinder unter Tränen zusammen. Fee und Tyger aus seiner ersten Ehe mit der früheren Leichtathletin Petra Lobinger und der kleine Okkert aus der zweiten Ehe mit der Fernsehredakteurin Alina Baumann sind ihm das Allerwichtigste im Leben.

Tim Lobinger Kinder
Tim Lobinger und die drei Kinder Fee, Tyger und der kleine Okkert.

Ex-Frau Alina Baumann steht noch immer hinter ihm

Von Alina Baumann lebt Tim Lobinger bereits getrennt, als ihn die erste Krebsdiagnose ereilt. Nach 15 Jahren Beziehung, Hochzeit im Jahr 2011 und der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Okkert im Jahr 2016 war es jedoch insbesondere seine Ex, die ihm den Rücken stärkte. Die emotionale "Schwerstarbeit", die Alina in dieser schweren Zeit geleistet habe, bewundere Lobinger sehr. Mit der Mutter seines dritten Kindes konnte er über seine Ängste sprechen wie mit kaum jemand anderen.

Trotz ihrer Trennung noch vor der Krebserkrankung trage Tim Lobinger seinen Ehering weiter - als "Zeichen von Dankbarkeit und Anerkennung."

Tim Lobinger und Alina Baumann
Zusammen stark: Tim Lobinger und Alina Baumann
Wir funktionieren toll miteinander und Alina kümmert sich vollkommen selbstlos um mich, das ist nicht selbstverständlich. Unsere Familie funktioniert und hält fest zusammen. Das ist vor allem für die Kinder wichtig,sagte Lobinger über seine Noch-Ehefrau Alina Baumann.

2. Niederlage: Erneute Krebserkrankung bei Tim Lobinger

Anfang 2018 dann der herbe Rückschlag: Im Körper des Sportlers wurden erneut aggressive Krebszellen nachgewiesen und zwar in mutierter Form. Im Laufe dieser zweiten Krebserkrankung entwickelte sich bei Tim Lobinger zusätzlich eine bedrohliche Leberentzündung, die sich als Abstoßreaktion seines Körpers nach der Stammzelltransplantation herausstellte.

„Ich war komplett gelb, kam in die Notaufnahme. Mein Körper hatte erstmals seit der Transplantation eine Abstoßreaktion. Es fing mit dem Darm an, gleichzeitig war meine Leber so heftig entzündet, dass die Ärzte Panik hatten, ich könne die Leber verlieren oder eine chronische Entzündung bekommen. Ich lag zwölf Tage in der Klinik, guckte nur aus dem Fenster. Es war brutal, ein arger Kollateralschaden“, sagte Lobinger der Zeitschrift Bunte.

So krank ist Tim Lobinger: Emotionaler Auftritt bei Markus Lanz

Es war ein tränenreiches Gespräch zwischen Tim Lobinger und Markus Lanz im April 2018. Der zweite Krebs sei schwerer zu besiegen, sagte der 45-Jährige sichtlich emotional in der Talk-Runde.

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Krebs-Memoiren: In seinem Buch macht Tim Lobinger Betroffenen Mut

Und wieder kämpfte sich der einstige Weltklasseathlet zurück, sprach im Fernsehen und in seinem Buch offen über seine Krankheit und zog seine Therapien durch. Seit Anfang dieses Jahres ist er nach eigenen Angaben „krebszellenfrei“ und kann voller Hoffnung in die Zukunft blicken.

Ich gehe davon aus, dass ich die nächsten 10, 15 Jahre munter weiterplanen kann,sagte der Ex-Leistungsportler dem Bayerischen Rundfunk.

Tim Lobinger dokumentiert seinen Kampf gegen den Krebs auf Instagram

Private Einblicke in sein Krebs-Martyrium gewährt Tim Lobinger auf Instagram. Die Bilder zeigen den ehemaligen Stabhochspringer sehr privat:

Tim Lobinger
Für sein Buch zeigt sich Tim Lobinger verletzlich wie nie

Aktueller Zustand: Ist Tim Lobinger heute geheilt?

Trotz seiner Krebserkrankung arbeitete Tim Lobinger parallel weiter als Fitness- und Athletikcoach, machte unter anderem Profifußballer nach ihren Verletzungen und Skirennläufer Linus Straßer fit. Zudem gibt der dreifache Familienvater Seminare und hält Vorträge über seinen Kampf gegen den Krebs. „Ich will im Bereich Profisport einen Anker werfen. Ich bin gesund, kann jungen wie älteren Spielern etwas vermitteln. Respekt haben die meisten Spieler vor mir allein durch die Tatsache, was ich schon durchgemacht habe“, so Lobinger.