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Mit 200 Watt den Berg hinauf - „Motordoping“ im Radsport?

Dem Profi-Radsport droht ein abermaliger Vertrauensverlust

Die angeblichen Betrugsfälle wurden den Profifahrern nie nachgewiesen. Die UCI führt seit fünf Jahren Kontrollen durch – ohne Ergebnisse. Bis 2016 die belgische Nachwuchs-Fahrerin dank eines neuen Testverfahrens überführt wurde. Seitdem überschlagen sich die Berichte zum „Motordoping“.

Journalisten legten sich bei zwei Rennen in Italien mit Wärmebildkameras auf die Lauer und stellten bei sieben Fahrern auffällige Aufnahmen fest. Die Namen wurden nicht genannt. Vincent Wathelet, der Manager vom französischen Radprofi Philippe Gilbert, berichtete dem belgischen Internetportal „sporza.be“ vom ungarischen Konstrukteur Istvan Varjas, der 2015 rund 1400 Mini-Motoren verkauft habe. Die Antriebe kosteten zirka 7 500 Euro und leisteten bis zu 250 Watt. Eine Innovation, die sicher nicht nur bei Hobby-Fahrern Interesse wecke, so der Manager.

Screenshot von Youtube; eine Wärmequelle, wo keine sein sollte

Transrapid-Technik landet im E-Bike

Der technische Fortschritt schreitet bei den E-Bikes rasant voran. Mittlerweile werden Minimotoren in Rahmen, Tretlager oder den Naben der Räder montiert. Der Akku verschwindet in der Trinkflasche, die Aktivierung erfolgt via Bluetooth. Der neueste Schrei auf dem Markt sind E-Bikes mit elektromagnetischem Antrieb. Erste Prototypen erreichen mit der Technik des Transrapid Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h.

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Radprofis sind überrascht

„Zu teuer, zu aufwändig“, heißt es aus dem Fahrerlager. Radprofis und Teammanager zweifeln „Motordoping“ an. Dafür müssten zu viele Beteiligte wie Fahrer und Mechaniker einbezogen werden. Sogar von Verschwörungstheorien der Medien ist die Rede. Ex-Profi Rolf Aldag, der im früheren Team Telekom 2007 Epo-Doping zugab, spricht von Fällen aus der Vergangenheit und schließt mechanische Manipulation heute aus. Auch der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin zeigt sich erstaunt: „Diese Tragweite war mir nicht bewusst. Das wird die nächste Großbaustelle, gegen die wir massiv vorgehen müssen.“ Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins: „Ich kann nicht verstehen, wie Leute einen E-Motor im Fahrrad verwenden können. Für mich ist es das Gleiche wie herkömmliches Doping.“

Für Jean-Pierre Verdy, den früheren Direktor der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, sind die bisherigen Enthüllungen nur die Spitze des Eisberges. Er habe im vergangenen Jahr so viele Hinweise auf „Motordoping“ bei der Tour de France 2015 bekommen wie nie zuvor. Vor dem Start herrsche im Peloton regelrechte Alarmstimmung. Viele Teammanager forderten Konsequenzen. Allerdings habe er keine Beweise.

Ob Einzelfall oder Massen-Phänomen – „Motordoping“ wird die Radszene noch länger in Atem halten. Die UCI muss ihre Kontrollen optimieren und – wie bereits geschehen – ihren Strafenkatalog anpassen. Sonst droht dem Profiradsport endgültig der Vertrauensverlust.

Autor: Oliver Kramer

Bildquellen: GettyImages

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