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Das Comeback des Jahres

Uli Hoeneß ist zurück an der Spitze beim FC Bayern München

„Das war´s noch nicht.“ Ein Versprechen, das Uli Hoeneß während seiner letzten Rede auf einer Bayern-Versammlung gegeben hatte. Wie so oft sollte er sein Wort halten.

Die Jahreshauptversammlung im November diesen Jahres sollte ein Art Schaulaufen für Uli Hoeneß werden. Als er mit 22-minütiger Verspätung den Audi-Dome betrat, wurde er mit Standing Ovations und „Uli, Uli“-Rufen empfangen. Es wurde deutlich, wie groß die Sehnsucht nach seiner Rückkehr war. Zuvor hatten Hoeneß und andere Bayern-Verantwortliche versucht die über 2000 Mitglieder zu beruhigen, für die kein Platz mehr war. Das für sie bereitgestellte Zelt konnte nicht jeden zufrieden stellen. Trotz der aufgeheizten Stimmung vor der Halle trat das ein, woran eigentlich nie einer gezweifelt hatte. Hoeneß sollte seine zweite Chance bekommen, um die er während seiner Bewerbungsrede gebeten hatte. Mit 6986 von 7152 Stimmen wird er mit überwältigender Mehrheit erneut in das Amt des Bayern-Präsidenten gewählt. Mit den Worten: “Ich werde euch nicht enttäuschen“, nahm er die Wahl an.

Uli Hoeneß ist wieder ganz oben angelangt. 987 Tage nach seinem Rücktritt und 270 Tage nach seiner Haftentlassung. Damit beerbt er Karl Hopfner, der das Amt während seiner Abwesenheit übernommen hatte. Hopfner hatte immer wieder betont, bei Hoeneß Rückkehr den Weg freimachen zu wollen.

Über die ethischen Aspekte einen Straftäter auf Bewährung, die Führung eines weltbekannten Vereins, anzuvertrauen, wird natürlich wieder leidenschaftlich debattiert. Diesbezüglich muss man berücksichtigen, dass Hoeneß, unter Beobachtung der Öffentlichkeit, in einem Verfahren verurteilt wurde und seine Strafe in der Zelle abgesessen hat. Diese Zeit hat er mit Anstand durchgestanden und jetzt wurde er, aus juristischer Sicht gesehen, resozialisiert. Ein Prinzip das auch Steuerbetrügern zusteht.

Im Januar wird er aller Voraussicht nach auch wieder zum Aufsichtsratschef gewählt, er hätte dann all die Funktionen inne wie vor seiner Haftstrafe, so als wäre er nie weg gewesen. Trotzdem soll alles anders werden. Nur noch drei Tage die Woche will er sein Büro an der Säbener Straße besuchen. "Ich könnte mir vorstellen, dass Karl-Heinz mehr fürs Geld verantwortlich ist und ich fürs Herz.", sagte Hoeneß über seine zukünftigen Aufgaben beim FC Bayern.

Dass er Herz hat, ist unbestritten. Egal was für Probleme seine Stars hatten, ob privater oder sportlicher Natur, er stand ihnen immer zur Seite wie ein Vater seinen Kindern. Trotzdem dürfte seine moralische Integrität unter seiner Steueraffäre stark gelitten haben. Der Mann, der seine Antrittsgagen für etliche TV-Shows spendete und für den das Allgemeinwohl im Vordergrund stand, wird jetzt nicht mehr als Wohltäter sondern als Betrüger wahrgenommen - hart aber fair. In seinem Umfeld wird sich das nicht negativ äußern, bei Konfrontationen und Debatten mit der Konkurrenz könnte es jedoch kontraproduktiv sein. Man darf gespannt auf die kommenden drei Jahre seiner zweiten Amtszeit blicken. Ob wir den selben Uli Hoeneß zu Gesicht bekommen oder ob ein anderer die Schlachten schlagen wird, die es zu gewinnen gilt. "Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen", behauptete er zumindest selber und stellte das auch gleich unter Beweis, indem er, keine Stunde nach Amtsantritt, über den neuen "Feind" Leipzig lästert und auch über den alten Stadtrivalen 1860 München kein gutes Wort verliert.

Eines kann man auf jeden Fall mit großer Gewissheit sagen: der Einsatz für sein Lebenswerk wird der gleiche bleiben, ganz egal ob er nur drei Tage die Woche im Büro ist oder sieben. Und genau darum werden ihm die Sympathien der Bayern-Fans auch in Zukunft sicher sein. Für ihn zahlt sich jetzt das aus, was er jahrelang unnachahmlich vorgelebt hat – „Mia san Mia“.

Chronologie: Von der Spitze ins Gefängnis und zurück

2001 bis 2006: Uli Hoeneß spekuliert an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz

Januar 2013: Hoeneß zeigt sich selbst wegen Steuerhinterziehung an.

20. März 2013: Gegen ihn legt ein Haftbefehl vor, gegen Kaution bleibt er auf freiem Fuß.

30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage.

13. März 2014: Er wird wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

14. März 2014: Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern beim FC Bayern München zurück.

2. Juni 2014: Hoeneß tritt seine Haft an.

1. Januar 2015: Er wird Freigänger und arbeitet tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern.

29. Februar 2016: Hoeneß wird vorzeitig aus der Haft entlassen.

25. November 2016: Uli Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung zum Präsidenten des FC Bayern München gewählt.