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Die grüne Fußball-Revolution

Wie die Forest Green Rovers zum klimafreundlichsten Klub der Welt wurden.

Tofu statt Bratwurst, Gemüse-Pies statt Burger – wer zum Heimspiel der Forest Green Rovers geht, muss für 90 Minuten auf fleischliche Kost verzichten. Der englische Viertligist verbannte vor vier Jahren alle tierischen Produkte aus seinem Stadion und stieg damit zum ersten veganen Fußballklub der Welt auf. Nur ein Baustein der umweltfreundlichen Strategie des Dorfklubs, der von den Vereinten Nationen zum ersten klimaneutralen Klub ernannt wurde.

Vom Hippie zum Multimillionär

Möglich machte den Wandel der Umwelt-Pionier Dale Vince. Der Engländer tingelte früher als Hippie mit dem Wohnmobil durch die Welt, ehe er Ende der Neunziger mit seiner Windenergie-Firma Ecotricity Millionen machte. Vor acht Jahren stieg der Unternehmer bei den Forest Green Rovers ein. Damals dümpelte der Amateurklub aus dem 6000-Einwohner-Örtchen Nailsworth in der 5. Liga herum und stand vor dem Bankrott.

„Der Sport eignet sich dazu, den Menschen die Nachhaltigkeit zu präsentieren. Fußballvereine können die Gesellschaft beeinflussen, um Veränderungen herbeizuführen. Um das zu tun, müssen sie mit gutem Beispiel vorangehen.“ Dale Vince (57), Klubbesitzer und Umwelt-Pionier.

Vince rettete die Green Rovers vor dem sportlichen und wirtschaftlichen Aus und verpasste dem Verein einen „grünen Anstrich“. Erst änderte der neue Klub-Besitzer die Vereinsfarben von weiß-schwarz in grün-schwarz. Dann ließ er das Stadion „The New Lawn“ (zu deutsch: neuer Rasen) umweltfreundlich umbauen. Auf den Tribünendächern wurden Solarmodule installiert, riesige Tanks fangen das Regenwasser auf. Der Rasen wächst ohne Pestizide und wird von GPS-gesteuerten Mäh-Robotern geschnitten. Das Flutlicht leuchtet dank Ökostrom und die Mitarbeiter fahren mit Elektroautos vor.

Wir werden zu 100 Prozent von erneuerbaren Energien versorgt, allein 20 Prozent werden von uns selbst produziert so der 57-Jährige.

Veggie-Burger, Gemüse-Pies, veganes Bier

Die größte Revolution in der fast 130-jährigen Geschichte der Green Rovers fand jedoch in der Stadionküche statt. Dort verbannte der bekennende Veganer Vince Fleisch, 2015 verschwanden auch Milchprodukte von der Speisekarte. Ein Umstand, mit dem vor allem die Spieler erst mal klarkommen mussten. „Wir haben es primär aufgrund des Umweltschutzes getan, aber auch aus gesundheitlichen Gründen und um die Tiere zu schützen“, sagte der Vereins-Chef.

Trotz anfänglicher Widerstände setzte sich das Konzept durch. Die Fans sind von der „Devil’s Kitchen“ (teuflische Küche) begeistert. Bei den Heimspielen werden unter anderem Veggie-Burger, Gemüse-Pies und veganes Bier serviert.

„Es ist kein typisches Fußballessen und manche haben sich dagegen gewehrt, aber unsere Verkaufszahlen steigen“, sagte Vereinsköchin Em Franklin dem Sportinformationsdienst. „Die Leute haben verstanden, dass sie dadurch nicht bestraft werden.“

Zudem stellte Unternehmer Vince zuletzt ein Programm für veganes Schulessen auf die Beine, das auf der Insel bereits großen Anklang fand.

Lohn für die jahrelangen Bemühungen um den Umwelt- und Klimaschutz: Der Verein aus dem Südwesten Englands wurde von den Vereinten Nationen zum ersten klimaneutralen Klub der Welt ernannt. „Forest Green ist ein Parade-Beispiel für eine Organisation, die ihren ökologischen Fußabdruck verbessern und andere animieren, ihrem Beispiel zu folgen“, sagte der Beauftragte für die UN-Klimarahmenkonvention, Miguel Naranjo.

Auch Vince ist sich sicher: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis große Vereine wie Real Madrid, Manchester United und die San Francisco 49ers unserem Beispiel folgen. Für sie sollte es leichter sein, Dinge zu verändern, als für uns.“

Öko-Arena aus Holz in Planung

Und der Öko-Visionär hat schon die nächsten Ideen für die Forest Green Rovers, die 2017 in die 4. Liga (Football League 2) aufgestiegen sind, im Kopf. Er plant den Bau einer umweltfreundlichen Arena aus Holz, die von der renommierten Architektin Zaha Hadid entworfen wurde. Der „Eco Park“ soll 5000 Zuschauer fassen und das Herzstück eines 100 Millionen Pfund schweren Sport- und Energieparks werden.

Fußball gibt uns eine riesige Plattform. Mittlerweile haben wir Fanklubs auf der ganzen Welt. All diese Menschen lieben Fußball, aber sie sorgen sich auch um die Umwelt und mögen uns für das, wofür wir außerhalb des Platzes stehen, resümiert Vince.