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Formel 1 für Frauen: Sprungbrett in die Königsklasse?

Neue Rennserie für Frauen soll 2019 in Europa starten. Die Motorsport-Szene reagiert skeptisch.

Im Motorsport bahnt sich eine kleine Revolution an. Ab 2019 startet eine eigene Rennserie für Frauen. In der neuen Formel W sollen ab Mai 18 bis 20 Fahrerinnen an den Start gehen und zunächst sechs Rennen in Europa bestreiten. Mitinitiator ist der ehemalige Formel-1-Fahrer David Coulthard, der sagt: „Wir glauben in der W Serie absolut daran, dass sich Frauen und Männer im Rennsport miteinander messen können, wenn sie die gleichen Voraussetzungen haben.“

Mit Formel 3-Wagen auf Formel 1-Kurs

Gefahren wird allerdings nicht in Formel 1-Boliden, sondern in identischen Wagen des Typs Tatuus T-318 aus der Formel 3 mit 230 PS. Die Rennen sollen jeweils 30 Minuten andauern und auf bekannten Formel-1-Kursen, möglicherweise auch im Rahmen von DTM-Rennen, ausgetragen werden. Als Gesamtpreisgeld winken den Fahrerinnen 1,5 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die Formel 1 schüttete 2017 an ihre Teams rund 858 Millionen Euro aus.

Bleibt die Frage: Kann sich eine reine Rennserie für Frauen etablieren?

Kritik an reiner Frauen-Rennserie

Die Motorsport-Szene reagierte auf die Pläne skeptisch. Die Britin Susie Wolff (35), die als letzte Frau in einem Formel 1-Cockpit saß und 2015 beim Grand Prix in Silverstone am freien Training teilnahm, geht zur Formel W auf Distanz. „Wir glauben, dass die beste Möglichkeit, weibliche Talente zu erkennen, darin besteht, sie im gemischten Wettbewerb gegeneinander fahren zu lassen“, sagte die Ex-Tourenwagen -und Testfahrerin für den Formel 1-Rennstall Williams.

Auch der Automobilverband FIA, der nicht in die Organisation der W-Series involviert ist, lehnt eine reine Frauen-Rennserie ab. „Unser Ziel ist es, mehr Frauen direkt gegen Männer antreten zu lassen, damit sie zeigen können, dass sie in der Lage sind, das Gleiche zu leisten“, sagte Michele Mouton, Präsidentin der FIA-Kommission für Frauen im Motorsport.

Noch drastischer kritisierte die Indycar-Rennfahrerin Pippa Mann die Formel W, sprach sogar von einer Abschottung der Frauen: „Ich bin zutiefst enttäuscht, einen solchen historischen Rückschritt miterleben zu müssen. Was für ein trauriger Tag für den Motorsport“, klagte die 35-Jährige.

Nur eine Frau holte jemals WM-Punkte

Frauen und die Formel 1 – das war seit jeher ein heikles Thema. Die erste Pilotin, die sich in die Männerdomäne vorwagte, war Maria Teresa de Filippis. Die Italienerin, die vom fünffachen Weltmeister Juan-Manuel Fangio gefördert wurde, gab 1958 für Maserati ihr Debüt in der Königsklasse. Bei ihrem ersten Versuch in Monaco scheiterte sie noch in der Qualifikation. Einen Monat später schaffte „Pilotino“ (kleiner Rennfahrer) beim Großen Preis von Belgien den Sprung in die Startaufstellung und beendete ihr erstes Formel 1-Rennen auf Platz zehn.

Bezeichnend: Nach Filippis versuchten sich nur noch vier weitere Frauen in der Formel 1. Für ein Rennen qualifizieren konnte sich nur ihre Landsfrau Lella Lombardi, die 1975 in Spanien sogar in die Punkteränge fuhr und zwischen 1974 und 1976 an insgesamt 17 Formel-1-Rennen teilnahm.

W Series als Einstieg in die Königsklasse?

Die Macher der neuen W Series sehen den neuen Wettbewerb auch nicht als Konkurrenz zur Formel 1, sondern eher als Sprungbrett für junge Fahrerinnen, die sich für die Königsklasse des Motorsports empfehlen wollen.

„Heute ist die Formel 3 oft so eine unsichtbare Grenze für Frauen. Meistens aber, weil die Mittel fehlen, nicht das Talent“, meint David Coulthard.

Auch Jamie Chadwick (20), die 2018 als erste britische Formel-3-Siegerin in über 60 Jahren Geschichte schrieb, steht der Formel W offen gegenüber: „Ich will am liebsten 365 Tage im Jahr Rennen fahren, also könnte ich mir das als willkommenes Zusatzprogramm durchaus vorstellen.“

Die Kolumbianerin Tatiana Calderon (25), die jüngst in Mexiko erste Testfahrten in einem Formel 1-Boliden absolvierte, sieht die Formel W eher als Einstiegsserie für Talente: „Es ist sicher gut für junge Mädchen, sie an die Formel-Autos heranzuführen. Aber für mich wäre das ein Rückschritt. Dort fährt man mit Formel-3-Autos, ich will in die Formel 2. Und ich messe mich ja dauernd schon mit den Besten.“