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Rallycross trotz Rollstuhl

Diese zwei Rennfahrer beweisen: Motorsport kennt viele Wege.

Der Rallycross-Sport wächst in den letzten Jahren zunehmend. Seit es die offizielle FIA Rallycross-Weltmeisterschaft gibt und auch Fahrer wie Mattias Ekström hier ganz vorne mitmischen, erlebt die Szene einen enormen Aufwärtstrend. Künftig wird man auch hier auf den Elektroantrieb setzen, das weckt wiederum das Interesse einiger Hersteller.

Albert Llovera – Vom Skifahrer zum Rallycross-Piloten

Abseits der Weltmeisterschaft gibt es zahlreiche andere Wettbewerbe, in denen auch zwei ganz besondere Fahrer mitmischen. Einer von Ihnen ist der in Andorra geborene Albert Llovera. Der heute 51-jährige schrieb Geschichte als jüngster Athlet der olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo im Alter von gerade einmal 17 Jahren, als er als hoffnungsvolles Talent im alpinen Skisport an den Start ging.

Ein schwerer Unfall im Jahr 1985, der Llovera von der Hüfte abwärts lähmte, schien seine sportlichen Aktivitäten auf tragische Weise zu beenden. Doch er gab nicht auf und bei der Suche nach einer neuen Passion entdeckte Llovera den Motorsport für sich. Mit speziellen Vorrichtungen am Lenkrad begann er mit dem Rallye-Sport. Schon 1989 gewann er den Peugeot Rally Cup in Andorra, 2001 stieg er mit Unterstützung von FIAT in die Junioren-Rallye-WM ein. Seitdem ist er in der Rallye-Szene aktiv und war sogar schon in Dakar dabei.

In diesem Jahr wagte er nun den Einstieg in den Rallycross-Sport. In der Klasse der RX2-Boliden ist er in der ersten Kategorie unterhalb der Rallycross-Weltmeisterschaft mit an Bord und muss sich gegen viele schnelle Youngster behaupten. Zwar musste er bei den ersten beiden Saisonrennen in diesem Jahr den meisten Kontrahenten noch den Vortritt lassen, zeigte sich allerdings hoch motiviert.

Mein Unfall bedeutete, dass ich in eine andere Richtung gehen musste und ich habe den Motorsport gewählt. Ich habe in vielen verschiedenen Disziplinen auf unterschiedlichen Belägen bereits teilgenommen, auf Asphalt, Schotter und Eis – welcher Sport passt also besser als Rallycross?, so Llovera zu seinem neuen Abenteuer.

Mats Öhman – Rallycross-Passion

Schon deutlich länger dem Rallycross-Sport verfallen ist der Schwede Mats Öhman. Der heute 53-Jährige ist ein Urgestein der Szene. Wie er ein Rallycross-Fahrzeug trotz seiner Behinderung bewegen kann, spricht für sich.

Öhman verletzte sich 1998 bei einem Unfall mit einem Schneemobil schwer, seitdem ist er gelähmt und hat selbst in seinen Armen nur noch eine Beweglichkeit von 50 Prozent. Trotzdem begann er nach ein paar Jahren mit dem Rallycross-Sport und spielt hier bei den ganz Großen mit.

In seiner Heimat trat er in der schwersten Fahrzeugkategorie an und mischte vorne mit. Auch bei der Rallycross-Europameisterschaft 2014 ging Öhman an den Start. Sowohl Öhman als auch Llovera beweisen auf eindrucksvolle Weise, wie man trotz heftiger Schicksalsschläge sportliche Akzente setzen kann.

Titelbild:  © 2018 MPA Creative