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Klimawandel: Folgen für Ski-Rennsport sind drastisch

Alpine Weltcups müssen wegen des Schneemangels immer häufiger abgesagt werden

Als der US-Ski-Rennläufer Ted Ligety Ende Oktober zum Weltcup-Start im österreichischen Sölden eintraf, wähnte er sich in einer Mondlandschaft. Wo sonst zu dieser Jahreszeit Eis und Schnee den Rettenbachferner bedecken, ragten jetzt die schroffen Felsen unter dem Gletscher hervor. Dazwischen schlängelte sich eine eisig-steile Piste, die selbst den besten Ski-Rennläufern der Welt Respekt einflößte. Gefahren wurde in Sölden trotzdem, zumindest bei den Frauen. Der Riesenslalom der Männer musste dagegen wie im Vorjahr abgesagt wegen. Allerdings wegen heftigen Schneefalls und Sturms, der dann einen Tag später doch noch im Ötztal einsetzte.

Die meisten Athleten nahmen das neuerliche Renn-Aus mit Humor. „Was? Abgesagt? Hör auf! Ich bin schon voll im Flow!“, postete der deutsche Ski-Rennläufer Felix Neureuther auf Instagram, während er auf einem Ergometer die Rennbewegungen nachahmte:

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Race got cancelled 😩 #nosnownoshow

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Die alpinen Profis sind Wetterkapriolen gewöhnt. Nicht erst seit gestern müssen Weltcup-Rennen wegen Schneemangel, Sturm oder Nebel abgeblasen werden. Mittlerweile erreichen jedoch die Auswirkungen des Klimawandels eine neue Qualität. Selbst ehemalige Wintersport-Größen äußern sich besorgt.

Die Entwicklung ist dramatisch und beängstigend. Es geht um Bilder mit natürlichem Schnee und Bergen, die zum Urlaub einladen. Es hilft dem Skisport nichts, wenn neben den Pisten nur Steine und Felsen zu sehen sind,sagte Ex-Rennfahrer Christian Neureuther dem „Straubinger Tagblatt“.

Schon vor zwei Jahren berichtete Sportsupreme über die Probleme im alpinen Skisport, an dem bekanntlich ganze Regionen und Industrien mitverdienen. Passiert ist seither wenig. Der Weltcup-Zirkus zieht weiter und hofft irgendwie, dass sich der Winter an einem anderen Ort von seiner sonnigen Seite zeigt. „Wir lechzen nach Schnee, weil wir einen regelrechten Mangel hatten“, gab sich jüngst der deutsche Alpin-Trainer Wolfgang Maier fast schon ratlos.

Zudem klagen die Athleten über zunehmend schwierige Trainingsbedingungen. Mitunter drängeln sich die Besten der Welt am Berg auf ein paar weißen Flecken. „Man muss immer kreativer sein mit der Kursplanung", erklärte der deutsche Slalom-Spezialist Fritz Dopfer. Top-Fahrer weichen für optimale Bedingungen bis nach Argentinien oder Neuseeland aus. „Wir haben dieses Jahr das erste Mal überlegt, ob wir nicht eine Base in Südamerika aufschlagen, weil da der Winter wirklich gut war“, meinte Trainer Maier gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Auch die Ausrichter in den Skigebieten greifen zu immer aufwändigeren Methoden, um die anspruchsvollen Weltcup-Pisten zum Wunschtermin bereitzustellen. Koste es, was es wolle. Und nicht selten zu Lasten der Umwelt. Neben dem Einsatz von flächendeckenden Schneekanonen wird das sogenannte Snowfarming zum Trend. Dabei wird der Schnee im vorherigen Winter gesammelt und verdichtet, über den Sommer hinweg unter Planen „konserviert“ und in der neuen Saison wieder „ausgerollt“.

Neue Speed-Abfahrt mit zwei Durchgängen?

„Die Schneeproduktion ist viel intelligenter geworden“, sagte Peter Fischer, Organisations-Chef des Weltcups in Garmisch-Partenkirchen, der Süddeutschen Zeitung. Selbst die Pistenraupen seien mit GPS ausgestattet, um die geringen Schneemassen möglichst effektiv zu verteilen. Neben der Optimierung des Kunstschnees wirbt der OK-Chef für neue Renn-Formate wie die Speed-Abfahrt. Die soll zwar nur halb so lang sein, aber in zwei Durchgängen mehr Spannung versprechen. Im aktuellen Rennkalender 2018/19 findet man diese Variante allerdings vergebens.

Vielmehr üben sich Aktive, Trainer und Verbände in Durchhalteparolen. Trainer Maier sieht die nahe Zukunft des alpinen Skisports jedenfalls nicht gefährdet. „Ich bin kein Experte, was das Klima angeht, aber es heißt ja, dass es die Winter bis 2050 noch gibt. Nur sind die eben unberechenbarer.“ Derweilen flüchten sich die Skirennläufer ob des (Klima-)wandels ihrer Sportart weiter in Galgenhumor. Österreichs Ski-Ass Manuel Feller verkündete bei seinem Videogruß aus den „grünen Kitzbüheler Alpen“ die Sichtung einer seltenen Spezies: die des Slalomfahrers, die sich „wetterbedingt in höhere Lagen zurückgezogen hat“.

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Titelbild © instagram.com/ted_ligety