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Formel 1 2018 – Traditionen ad acta gelegt

+++ Die F1-Inhaber bauen um – Liberty Media verabschiedet sich von Traditionen +++

Am 25. März 2018 startet die Formel 1 in ihre neue Saison. Doch in der Winterpause hat Liberty Media für ordentlich Wirbel in der Königsklasse gesorgt und mit einigen Traditionen gebrochen. Die Zuschauer müssen sich an eine „neue“ Formel 1 gewöhnen, doch ist diese wirklich besser?

Adieu Grid-Girls

Was im letzten Jahr noch wie ein schlechter Scherz klang, ist mittlerweile Gewissheit. Die neuen US-amerikanischen Inhaber der Königsklasse haben die Grid-Girls abgeschafft. Gute 50 Jahre gehörten diese zur Formel 1 dazu und waren nicht wegzudenken. Jetzt setzt man hier bei Liberty Media auf Veränderung.

Man muss die Frage stellen, ob dies der Formel 1 auch etwas bringt. Ein Gewinn an Popularität etwa sollte sicher das oberste Ziel der neuen Besitzer sein. Mit dem Grid-Girl-Verbot hat man nun auch in der Formel 1 eine vorgelebte, politische Korrektheit. In der Langstreckenweltmeisterschaft, der WEC, sind die Mädchen mit den Startnummern schon länger Geschichte, doch der Rennserie hat dies in keiner Weise zu etwas Positivem oder Negativen verholfen. Künftig sollten Kinder die Nummerntafeln der Piloten halten, was dies für den Sport bewirken soll, steht in den Sternen.

An erster Stelle bricht man damit eine alte Tradition, die Geschmackssache ist, aber sicher wenig mit Machotum zu tun hat. Veränderung um allen Preis, die Verantwortlichen sind hier augenscheinlich über das Ziel hinausgeschossen. Die Formel 1 ist nicht Hollywood, zumindest noch nicht. Gravierender für viele Zuschauer werden sicher die Änderungen der Startzeiten sein.

Fokus auf die Zuschauerzahlen – Neue Startzeiten

Zumindest für den größten Teil der Formel 1-Rennen konnte man sich in der Vergangenheit an die Startzeit von 14:00 Uhr halten, doch in dieser Saison wird alles anders.

Dem Fernsehen zuliebe verschiebt Liberty Media den Rennstart, in den meisten Fällen auf 15:10 Uhr, was die europäischen Rennen angeht. Die 10 Minuten richtet man ganz auf die TV-Sender aus, damit diese ihr Programm zur vollen Stunde beginnen können. Die generelle Verschiebung auf eine spätere Uhrzeit hängt mit Untersuchungen zusammen, dass man am späten Nachmittag mehr Zuschauer erreicht. Um 2018 ganz sicher zu sein, auch kein Rennen zu verpassen, sollte man also hier lieber vor dem Rennen noch einmal nachschauen.

Im Laufe des Jahres soll zudem ein Internet-Streaming-Angebot starten, welches die Grand Prix ohne Werbeunterbrechung bietet. In Deutschland ist man aktuell auf die Übertragungen von RTL im Free-TV angewiesen, da sich Sky aus der Berichterstattung vorerst zurückgezogen hat.

Der Sport rückt in den Hintergrund – Die Show soll stimmen

Um das Interesse der Formel 1 wieder zu steigern, gibt es zwei wesentliche Punkte. Die Nähe zum Fan ist der eine. Diese erreicht man aber sicher nicht durch eine Startzeitverschiebung oder durch den Wegfall der Grid-Girls. Zuschauer, die die Königsklasse schon über Jahrzehnte verfolgen, kann man so nur vergraulen.

Da hilft es auch nichts, wenn die Formel 1 eine neue offizielle Hymne bekommen soll. Der US-Film-Komponist Brian Tyler arbeitet aktuell daran und bringt somit noch mehr Hollywood in die Formel 1.

Viel entscheidender ist allerdings das, was der Zuschauer auf der Strecke zu sehen bekommt. Und das ist in den letzten Jahren zum einen deutlich leiser geworden, zudem lässt die Rennaction oft zu wünschen übrig. Die Boliden müssen wieder in der Lage sein, auch ohne das DRS, ein Herunterklappen des Heckflügels, einen Konkurrenten zu überholen. Zudem kommt in der Saison 2018 erstmals das Halo-System zum Einsatz, was der Formel 1 allein schon optisch schadet.

Man kann nur hoffen, dass das Feld enger zusammenrücken wird, so dass wir mit spannenden Rennen die kleinen Änderungen im Umfeld schnell vergessen werden. Doch Liberty Media hat es nach dem Ende der Saison 2017 versäumt, die Formel 1 in dem zu stärken, was sie auch weiterhin sein sollte, die Königsklasse des Motorsports.