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Rallye Monte Carlo - Schock, Dramen und Triumph

Todesfall überschattet Sieg des Weltmeisters

Die 85. Ausgabe der legendären Rallye Monte Carlo hatte es in sich. Es sollte der glanzvolle Startschuss in eine neue Ära werden. Die werkseitige Rückkehr von Citroën und vor allem auch von Toyota, die sich zur Jahrtausendwende vom Rallye-Sport zurückzogen, galt es zu Feiern. Das zudem ab 2017 mit deutlich schnelleren, lauteren und aggressiver aussehenden Fahrzeugen. Dazu der Wechsel des viermaligen Weltmeisters Sébastien Ogier nach dem Volkswagen-Ausstieg in das Cockpit eines Ford Fiesta WRC beim britischen Team von M-Sport. Und mit Hyundai schielt ein weiterer Hersteller auf dem WM-Titel.

Zuschauer stirbt auf erster Wertungsprüfung der Rallye-Weltmeisterschaft 2017

Gerade einmal zwei Fahrzeuge waren am vergangenen Donnerstag Abend im Ziel der ersten Wertungsprüfung. Weltmeister Ogier im Ford musste sich Thierry Neuville im Hyundai i20 Coupe um die Winzigkeit von 7 Zehntelsekunden geschlagen geben. Als Nächster sollte Hyundai-Shootingstar Hayden Paddon einlaufen, der junge Neuseeländer erwischte mit dem Heck allerdings eine Eisplatte und konnte sein Fahrzeug nicht mehr einfangen, prallte gegen einen Felswand und überschlug sich. Tragischerweise traf er an dieser Stelle einen Zuschauer.

Medienberichten zufolge handelte es sich um einen 50-Jährigen spanischen Zuschauer, der an diese heikle Stelle vorgedrungen war, um Fotos zu machen. Zwar war der Bereich nicht als Sperrzone markiert, dennoch hielt sich wohl sonst niemand hier auf. Motorsport und insbesondere der Rallye-Sport bleiben gefährlich, gerade auch bei diesen schwierigen äußeren Bedingungen. Paddon ist hier kein Vorwurf zu machen, es trafen viele unglückliche Umstände aufeinander. Hyundai zog den letztlich gar nicht mal schwer beschädigten Boliden von Hayden Paddon aus der Rallye zurück. Für den jungen Neuseeländer beginnt nun eine schwere Zeit, er sprach der Familie und den Angehörigen sein Beileid aus, wies aber die Presse daraufhin, dass er für weitere Auskünfte erst einmal nicht zur Verfügung steht.

Dramen an der Spitze des Feldes

Für die Mannschaft von Hyundai auch ein schwerer Beginn, zudem der Vizeweltmeister des Vorjahres, Thierry Neuville, auf den nächsten Prüfungen das Kommando übernahm und selbst Weltmeister Ogier keine Chance hatte. Der Belgier aus St. Vith flog im Tiefflug durch Monte Carlo. Vor der letzten Etappe am Samstag Nachmittag kontrollierte Neuville das Geschehen und Hyundai durfte schon auf einen Sieg bei der „Monte“ hoffen, als es passierte. Der i20 kam etwas zu weit von der Fahrbahn und beschädigte nachhaltig die hintere Radaufhängung. Notdürftig konnte man zwar eine Reparatur durchfuhren, verlor aber soviel Zeit, dass man unter ferner liefen ins Ziel kam, der Sieg war weg.

Für einen der Favoriten war bereits früher Schluss. Kris Meeke im neuen Citroën C3 WRC war unter den ersten Drei aussichtsreich unterwegs, als ein kleiner Fehler zu einem Unfall und für das Aus sorgte. Der Frust war einem der Mitfavoriten auf den WM-Thron deutlich anzusehen. Auch sein französischer Teamkollege Lefebvre geriet ins Aus und ins Hintertreffen.

Toyota Yaris WRC

Der verbleibende Hyundai des Spaniers Dani Sordo kam nicht wirklich in Gang, dazu gab es Probleme mit der Servolenkung, die auch ihn weit zurückwarfen. Besser als erwartet lief es zunächst für die Mannschaft von Toyota, deren Hauptziel die Zielankunft war. Juho Hänninen lag früh ebenfalls auf Kurs für eine Top 3-Platzierung, als er gegen einen Baum rutschte und die Chancen seines Yaris im Schnee begrub. Teamkollege Jari-Matti Latvala dagegen kam immer besser in Schuss und konnte auch bedingt durch die Probleme der Anderen auf Rang 2 ein unerwartetes Podium feiern. Hinter ihm lief Ott Tänak im zweiten Ford Fiesta ein, nachdem sich der Este mit Fehlzündungen durch die letzten Prüfungen und über den Col de Turini quälen musste.

M-Sport feiert ersten Ford-Sieg seit Ende 2012 – Ogier Weltklasse

Als der vierfache Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier bei der letzten Rallye 2016 in seinem Volskwagen Polo antrat, war er für 2017 noch arbeitslos. Der weltbeste Rallye-Pilot entschied sich erst vor einigen Wochen für das Team von M-Sport, die als Semi-Werkseinsatz den neuen Ford Fiesta WRC entwickelt haben. Teamchef Malcolm Wilson hat alles getan, um Ogier ins Cockpit zu holen, der Franzose hat es ihn schon beim allerersten Auftritt gedankt.

Zwar musste Ogier auch am ersten Rallye-Tag eine Schrecksekunde überwinden, als er in einem kleinen Graben landete und wertvolle Zeit verlor, dennoch hielt er den Druck auf Neuville stets aufrecht und blieb ohne entscheidende Fehler. Die machte die Konkurrenz, so dass es Ogier auf der am Ende schneebedeckten Straße hinter dem Col de Turini auf der Abschlussprüfung langsam angehen lassen konnte und auch im Fiesta da weitermacht, wo er in den letzten Jahren für VW so oft stand - auf Platz 1 im Gesamtklassement.