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WRC 2017 - Ein heißes Rallyejahr

Spannung in der Rallye-Weltmeisterschaft - Vorschau auf das Jahr 2017

Der Rückzug von Volkswagen aus der Rallye-Weltmeisterschaft schlug zwar ein wie eine Bombe, trotzdem hat es die kommende Saison in der WRC mehr als in sich. Fahrerwechsel, ein neues Reglement in Sachen Rallyefahrzeuge und genügend involvierte Hersteller, die die Rallye-Saison 2017 zu einer der besten der letzten Jahre machen können.

Die Rallye-Boliden anno 2017 – mehr Power, mehr Flügel

Im neuen Jahr kommen die neuen Wagen deutlich brachialer als bisher daher. Die Motorenleistung wurde auf 380 PS angehoben, parallel dazu gab es eine Gewichtserleichterung von 25 Kilogramm (vorher 1.200 kg, neu 1.175 kg). Für den Turbo-Begrenzer gilt nun ein maximaler Durchmesser von 36 Millimeter, der absolute Turbodruck beträgt 2,5 Bar. Die 1,6 Liter-Motoren, die auch 2016 zum Einsatz kamen, werden weiterhin verwendet. Dazu kann nun ein elektronisch gesteuertes Zentraldifferenzial eingesetzt werden.

Die neue Maximalbreite der Fahrzeuge beträgt 1875 Millimeter (somit 55 Millimeter mehr als im Vorjahr), mit einer Mindestlänge von 3900 mm. Somit gibt es einen größeren Überhang an der Vorder- und Rückseite der Wagen. Vor allem die neuen Heckflügel sind gewachsen, so dass die neue Generation zumindest im hinteren Bereich ein wenig an die legendäre Zeit der Gruppe-B Boliden aus den 80er Jahren erinnert.

Die oberste Motorsportbehörde, die FIA, macht die Rallye-WM somit auch optisch wieder zu einem Hingucker, sportlich bot schon die Saison 2016 so einiges und der Kampf an der Spitze wird 2017 noch enger. Trotz des Abschiedes von VW gibt es genügend andere Hersteller, die mit den neuen und deutlich schnelleren Boliden an der Spitze stehen wollen.

Hyundai, Toyota, Citroën und Ford – Kampf um die WM-Krone

Nach dem Rückzug von Volkswagen werden die Karten neu gemischt, dazu ist die Weltmeisterschaft nun mit einem Reglement ausgestattet, was deutlich mehr Freiheiten bietet. In den letzten Jahren war es an Hyundai, Platzhirsch Volkswagen zu jagen. Das Team mit Stammsitz im deutschen Alzenau hat seit Eintritt in die WM deutliche Fortschritte gemacht. Nach dem Einstieg im Jahr 2014 ist man immer mehr an die Spitze herangerückt und konnte Volkswagen Motorsport 2016 ordentlich ärgern, das zeigt auch die Vizeweltmeisterschaft von Thierry Neuville.

Leise Töne hat man bei den Koreanern lange genug angeschlagen, bei der Teampräsentation gab sich Teamchef Michel Anakonda deutlich angriffslustiger: „Wir begeben uns in eine neue Ära des Sports mit den größten Veränderungen im Reglement seit langer Zeit. Es ist eine großartige neue Herausforderung und eine, die wir mit Enthusiasmus angegangen sind. Es ist eine Gelegenheit alles, was wir in den vergangenen drei Saisons gelernt haben, in die Praxis umzusetzen. Alle Teams fangen bei Null an, also sind wir auf dem gleichen Stand. Nachdem wir 2016 den zweiten Rang einfahren konnten, wollen wir unsere Fähigkeit beweisen, 2017 um die Weltmeisterschaft zu kämpfen und wir sind zuversichtlich, dass uns das neue Hyundai i20 Coupe WRC genau dazu verhelfen wird“.

Citroën war zwar bis zuletzt immer noch Teil der Weltmeisterschaft, doch ab 2017 ist man wieder mit vollem Werkseinsatz dabei. Die Franzosen verstehen ihr Handwerk, das steht außer Frage. Das Testprogramm mit dem neuen C3 WRC begann sehr früh, so dass auch die Truppe auf jeden Fall zu den Favoriten zu zählen ist. Kris Meeke, der 2016 bei ausgewählten WM-Läufen dabei war, wusste mit Siegen zu überzeugen und ist bereit, die Franzosen wieder auf den WM-Thron zu bringen.

Wo Toyota landen wird, vermag man nur schwierig einzuschätzen. Toyota und Rallye, das gehört einfach zusammen, bereits seit den 70er Jahren ist der japanische Hersteller im Rallye-Sport aktiv, die eingesetzten Fahrzeuge Celica und Corolla sind den meisten Motorsportfans mehr als nur ein Begriff. Die Rückkehr nächstes Jahr ist daher längst überfällig. Neu ist allerdings die Teamstruktur, denn der Einsatz erfolgt von Finnland aus, wo Ex-Rallye-Champion Tommi Mäkinen die Geschicke lenkt.

Bis vor Kurzem waren die Fahrerpaarungen auch noch mit einem großen Fragezeichen versehen. Nach dem VW-Abschied konnte man nun Jari-Matti Latvala als Piloten und neue Nummer 1 verpflichten. An seiner Seite wird sein Landsmann Juho Hänninen die Toyota-Rückkehr in Angriff nehmen – die Japaner setzten also alles auf die Karte Finnland.

Toyota hat allein aufgrund seiner Rallye-Erfahrung ehrgeizige Ziele, Präsident Akio Toyoda war bei der Präsentation des neuen Yaris WRC jedenfalls nicht kleinlaut: „Sowohl Fahrer als auch Fahrzeuge sind vorbereitet und gestärkt durch Trainingsbedingungen, die jene im Wettbewerb sogar noch übertreffen. Toyota GAZOO Racing ‚hasst‘ es zu verlieren und natürlich wollen wir auch in der WRC nicht verlieren. Wir – die Teammitglieder aus Finnland, Deutschland und Japan – werden in den nächsten Monaten unser Bestes geben, so dass wir unseren Fans schnellstmöglich zurufen können ‚Toyota is back!"

Last, aber sicherlich nicht least, spielt auch das britische Team von M-Sport eine große Rolle. Mit dem selbst entwickelten neuen Ford Fiesta RS WRC will man die anderen involvierten Hersteller gewaltig ärgern, dazu sicherte man sich jetzt die Geheimwaffe im aktuellen Rallye-Geschehen schlechthin. Teamchef Malcolm Wilson gab erst vor kurzem die Verpflichtung von Weltmeister Sébastien Ogier bekannt, der die Nummer 1 von Volkswagen mit zu den Briten bringen wird. Ogier ist immer noch der Maßstab im Fahrerfeld, allein sein Wechsel zu M-Sport dürfte für eine mehr als interessante Saison sorgen.

Das leidige Thema Startreihenfolge wurde unterdessen geändert. Nur noch Freitags wird der WM-Führende als erster Fahrer auf die Strecke gehen, am Samstag und Sonntag starten die Piloten in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstands.

VW Polo WRC 2017 - Fertig entwickelt in die Garage

Volkswagen hatte im Jahr 2016 ebenfalls recht früh mit dem Testbetrieb des neuen Boliden für die Saison 2017 begonnen, der neue Polo stand bereits parat, als man sich von Seiten des Konzerns für den Ausstieg entschied.

Zwar bestand bis zuletzt noch ein Funken Hoffnung, denn das Management von Andreas Mikkelsen versuchte noch einen privaten Einsatz auf die Beine zu stellen. Doch der Norweger gab unlängst bekannt für Skoda in der WRC2 an den Start zu gehen, somit ist das Projekt, den Polo in der Rallye-WM 2017 zu sehen, gestorben und der bullige Bolide aus dem Hause Volkswagen Motorsport wird die Rallyepisten dieser Welt nicht erblicken.

Jagd auf den Weltmeister – Alle wollen die #1

Mit Sébastien Ogier am Steuer hat M-Sport einen Glücksgriff getan, der Franzose ist aktuell immer noch der kompletteste Pilot. Inwieweit sich aber der neue Fiesta gegen die geballte Macht von Hyundai, Citroën und Toyota wird durchsetzen können, das bleibt abzuwarten.

Die Fahrerpaarungen bei Hyundai bleiben gleich. Mit einem 2016 deutlich verbesserten Thierry Neuville muss man ebenso rechnen wie mit Shootingstar Hayden Paddon. Der Spanier Dani Sordo sollte zumindest auf Asphalt ein Wörtchen an der Spitze mitreden.

Kris Meeke lieferte 2016 einige famose Auftritte für Citroën ab und will das auch im kommenden Jahr tun. Craig Breen und Stephane Lefebvre werden sich den zweiten Boliden teilen und sind immer für eine Überraschung gut.

Bei Toyota darf man gespannt sein, ob Jari-Matti Latvala seinen Teamkollegen im Zaum hält, der Finne hat 2017 einiges zu beweisen nach einem schwierigen Jahr. Bei M-Sport stellt man den Esten Ott Tänak an die Seite von Weltmeister Ogier – sein erster WM-Sieg ist längst überfällig.

Die Zutaten für eine extrem spannende Rallye-Weltmeisterschaft 2017 sind also vorhanden, dazu gab Red Bull TV bekannt, dass man Übertragungen und Highlight-Sendungen auf der eigenen Plattform im Internet kostenfrei anbieten wird. Zusehen ist da ein Muss – das Rallyejahr 2017 wird es in sich haben.