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Burkina Fasos Stern ging auf

Der Star ist der Trainer - 'Mourinho von Afrika' wird er bereits genannt

Sie waren die bessere Mannschaft und sind dennoch gescheitert. Überraschungs-Halbfinalist Burkina Faso scheidet beim Afrika-Cup im Elfmeterschießen mit 3:4 gegen Rekordchampion Ägypten aus. Bertrand Traoré von Ajax Amsterdam vergab den entscheidenden Schuss. Held beim glücklichen Sieger war der 44-jährige Torwart Essam El Hadary, der nun seinen fünften Triumph beim Afrika Cup anstrebt (vor 19 Jahren holte er seinen ersten Titel mit den Nordafrikanern). "Burkina Faso hat viel Druck gemacht, sie waren körperlich einfach stärker als wir. Unser Ziel war also, das Elfmeterschießen zu erreichen. Das haben wir geschafft. Und da hatten wir die besseren Nerven und den besseren Keeper", sagte Ägyptens Trainer Hector Cuper.

Burkina Faso hat die Konkurrenz bisher düpiert - Architekt des Teams ist der Trainer

Im Februar 2012 wurde man erstmals so richtig auf den Dickkopf Paulo Duarte aufmerksam, als er sich weigerte, den Trainerstuhl der Nationalmannschaft zu verlassen. Burkina Faso hatte es zu diesem Zeitpunkt unter Duarte zweimal in die Endrunde des Afrika-Cups geschafft, doch schied beim Turnier 2012 gleich mit drei Niederlagen in der Vorrunde raus. Der Trainer sollte die Koffer packen, entschied zumindest der Verband. "Wer soll mich denn entlassen haben?", fragte er rhetorisch und reiste einfach zum nächsten Testspiel des Teams vier Wochen später an. "Im nächsten Monat werden neue Verbandsfunktionäre gewählt. Erst die haben das Recht, mich zu entlassen", fand er. Duarte wurde trotzdem entlassen, aber drei Jahre später zurückgeholt. Im Herbst 2015 wurde er Nachfolger vom in Deutschland bekannten Gernot Rohr, der nach nur zehn Monaten in Burkina Faso aufgrund der politischen Lage gekündigt haben soll.

Paulo Duarte - er ist der Macher hinter dem Team

Nun nutzt er seine Chance und lässt die Spieler härter denn je trainieren. Bei brütender Hitze überzieht der portugiesische Coach schonmal gerne die vereinbarte Trainingszeit. "Die Jungs werden mir noch dankbar sein", sagt er nach der Übungseinheit. Nicht umsonst wird Duarte der "Mourinho von Afrika" genannt. Dass ihr Trainer ein Dickkopf sein kann, wissen sie in Burkina Faso schon länger.

Duarte macht aus Burkina Faso eine ernstzunehmende Fußballnation

Als er 2007 eher zufällig als Trainer engagiert wurde, musste er mit Erschrecken feststellen, dass die Bedingungen weit weg von einem europäischen Standard sind, den er vorher in den portugiesischen Ligen kennengelernt hat. "Es gibt hier nichts, keine Listen von Spielern, keine Unterlagen, keine Videos, nichts. Dass die Nationalmannschaft überhaupt existiert, ist verwunderlich", sagte er damals. Duarte reiste zurück nach Europa, suchte die Spieler und stellte eine völlig neue Mannschaft zusammen. Er führte das Team zu zwei Afrika-Cups und kam fast aus dem Nichts auf Platz 37 der Weltrangliste.

Es spielen immer noch die Spieler aus der ersten Duarte-Ära

Zum Start seines zweites Engagements bildeten die gleichen Spieler, wie 2012 das Gerüst der Nationalmannschaft. Mittlerweile wird sie als überaltert angesehen, doch Erfahrung zählt viel beim 47-jährigen Duarte. Sein Handeln gib ihm Recht. Er erreichte das Halbfinale des Afrika-Cups. Aber tatsächlich wird es für die meisten aus dem Kader der letzte Kontinentalwettbewerb, der derzeit in Gabun stattfindet, sein. Bakary Koné, Charles Kabore, Abdou Traoré, Aristide Bancé und Jonathan Pitroipa sind gefühlt schon ewig dabei.

Aristide Bancé - unverkennbar mit seinen blondgefärbten Haaren

Besonders Bancé hat in Deutschland so manchen Verein mitgenommen. Im Viertelfinale gelang dem eingewechselten Ex-Bundesliga-Profi, dessen Stationen unter anderem Offenbach, Düsseldorf, Mainz und Augsburg hießen, der entscheidende Treffer gegen Tunesien. Mittlerweile lässt der 32-Jährige seine Karriere bei ASEC Mimosas in der Elfenbeinküste ausklingen. Spätestens bei der nächsten Afrika-Meisterschaft muss Duarte sich was Neues überlegen, denn all diese Recken werden entweder nicht mehr dabei sein oder zu alt für sein schweißtreibendes Training sein, dass dann vermutlich nicht mehr die Früchte tragen wird, die jetzt geerntet werden konnten.