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Das war los am Ironman-Wochenende

+++ Patrick Lange gewinnt den Hawaii-Ironman +++ Maximilian Günther mit siegreichem Formel-3-Abschluss +++ René Rast ist neuer DTM-Champ +++ Deutschland triumphiert beim Rudern +++ Heynckes mit perfektem Einstand +++

Der Ironman auf Hawaii thronte über allem, was an diesem Wochenende in der Welt des Sports los war. Für deutsche Sportfans ist Zeitverschiebung dabei allerdings das größte Manko. So schaffen es nur die ganz harten Triathlon-Fans ihre Idole mitten in der Nacht ins Ziel laufen zu sehen. Doch als Deutscher lohnt sich das Wachbleiben in den letzten Jahren immer wieder. 2014-2016 gab es schließlich immer einen deutschen Sieger und in diesem Jahr sollte sich daran eigentlich auch nichts ändern. im Vordergrund stand die große Frage: schafft Jan Frodeno das Hawaii-Triple? Doch mit Sebastian Kienle und Patrick Lange kommt die härteste Konkurrent aus dem eigenen Land.

Es lief lange alles wie geplant: als Vierter war Frodeno vom Rad gestiegen, die drei vor ihm unterboten allesamt den bis dahin geltenden Rekord von Normann Stadler bei dessen Sieg 2006 (4:18:23). Der Australier Cameron Wurf, ehemaliger Olympia-Teilnehmer im Rudern und Ex-Radprofi, pulverisierte mit 4:12:54 Stunden Stadlers damalige Bestmarke. Aber auch Sanders in 4:14:18 und Kienle in 4:14:57 blieben noch deutlich unter Stadlers Zeit. Doch war es ein Kraftakt, der sich besonders für Kienle und Sanders rächen sollte. Sie waren nämlich noch mit über sechseinhalb Minuten auf die Spitze aus dem Wasser gekommen.

Nachdem der WM-Dritte von 2016 aus Bad Wildungen den lange auf Platz zwei liegenden 33 Jahre alten Kienle überholt hatte, schnappte er sich wenige Kilometer vor dem Ziel auch noch Sanders. Der 29-Jährige, dessen Laufstil immer wirkt, als würde er ein Bein nachziehen, schaute entsetzt und anerkennend zugleich hinter Lange her, der, wie schon im letzten Jahr, beim Laufen den Turbo zündete. Dabei stand er beim Radfahren wegen seiner „Scheißbeine“ schon kurz vor dem Ausstieg.

Immer wieder stockte die Stimme des 31-Jährigen im Gespräch mit dem ZDF: „Ich kämpfe mit den Tränen. Seit ich ein kleiner Junge bin, träume ich davon.“ Zu heftig war dieser Wettkampf, körperlich, mental, emotional. „Du läufst hier raus und du hast am ganzen Körper Gänsehaut, einen Kilometer später denkst du dir: Ich springe gleich ins Meer, weil du einfach nur fertig bist“, sagte Lange. Er verwies den Kanader Lionel Sanders auf Rang zwei, Dritter wurde der Brite David MacNamee. Sebastian Kienle, neben Frodeno der zweite deutsche Topfavorit, konnte auf den letzten Kilometern Langes und MacNamees Attacken nicht kontern und wurde Vierter. Er hatte 2014 die Serie deutscher Siege eingeleitet, 2015 und 2016 gewann Frodeno. Lange ist nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), seinem jetzigen Trainer Faris Al-Sultan (2005), Kienle und Frodeno der sechste Deutsche, der auf Hawaii siegt.

So schnell wie Lange, der sich letztes Jahr bereits den Laufrekord über den abschließenden Marathon gesichert hatte, absolvierte noch nie ein Athlet die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen: 8:01:40 Stunden hieß es am Ende. Die 8-Stunden-Marke rückt immer näher. Das erklärte Ziel vom heute gescheiterten Frodeno seit gewisser Zeit. Seit Juli 2016 hält er mit 7:35:39 Stunden auf der Triathlon-Langdistanz die Weltbestzeit, die er beim Challenge Roth aufstellte. Aber Hawaii ist ein anderes, ein deutlich härteres Pflaster. Das musste Jan Frodeno heute schmerzhaft erfahren. Der gebürtige Kölner schleppte sich nach 9:15:44 Stunden ins Ziel. „Es war ein harter Tag“, sagte Frodeno. „Ich weiß auch nicht, was da los war“, sagte er zu den Problemen, die ihm nach dem Wechsel auf die Laufstrecke so schwer zusetzten.

Bayern fast wieder in alter Form

Jupp Heynckes ist sowas wie die gute Seele beim FC Bayern München. Kein Wunder, dass es nun wieder nach Spaß beim Rekordmeister aussieht. "Die Spieler waren wieder motiviert und bereit, die Dinge aufzunehmen. Ich glaube auch, dass die Änderungen in Sachen Disziplin gegriffen haben", meinte der 72-Jährige. Seine ersten Maßnahmen haben definitiv gegriffen: Thiago und Müller spielten frei auf und waren am Ende die Motoren für den deutlichen 5:0-Sieg gegen den SC Freiburg. In der Champions League wartet nun mit Celtic Glasgow der vermeintlich leichteste Gegner und danach geht es zum derzeit schwer gebeutelten HSV. Spätestens nach diesen beiden Spielen werden die Bayern wohl wieder im üblichen Rhythmus sein, der die Liga erzittern lässt. Dass ausgerechnet jetzt auch Borussia Dortmund anfängt zu schwächeln, spielt den Bayern zusätzlich in die Karten.

Motorsport-Finals am Hockenheimring

Kurz nach der schwarz-weißen Flagge brach es aus René Rast heraus. Der Rookie schlug in seinem Auto immer wieder die Hände über dem Helm zusammen, er hämmerte wie verrückt mit den Fäusten auf sein Lenkrad und wischte sich durch das offene Visier mit dem Handschuh die Tränen aus dem Gesicht. Lange hatte der 30-Jährige darauf warten müssen, sein Können auch in der DTM unter Beweis zu stellen. Vor der Saison setzte der gebürtige Mindener bei einer Umfrage unter den Fahrern auf Audi-Markenkollege Jamie Green als Champion. Doch Rast (179 Punkte) verwies den Briten (173) ebenso denkbar knapp in die Schranken wie Mattias Ekström (176) und Mike Rockenfeller (167). Der DTM-Neuling sicherte sich den Titel und sorgte somit für eine faustdicke Überraschung.

Auch die Formel 3 fand am Wochenende ihr hochklassiges Ende. Auch dort konnte ein Rookie für die faustdicke Überraschung sorgen. Am letzten der zehn Rennwochenenden reichten dem Briten die Plätze 2, 11 und 4, um seine große Führung über die Ziellinie zu bringen. Platz 2 in der Gesamtwertung ging an Joel Eriksson. Der Schwede konnte am letzten Wochenende noch Maximilian Günther abfangen, der nach einer verkorksten ersten Quali-Runde das erste Rennen nur auf Platz 10 abschließen konnte. In Q2 und den daraus folgenden zwei Rennen konnte der Rettenberger mit den Plätzen 2 und 1 starke Rennen verbuchen, aber die Verluste aus dem ersten Rennen, das sein schwedischer Konkurrent für sich entscheiden konnte, nicht mehr aufholen. Am Ende fehlten fünf Punkte auf den Motopark-Fahrer. Dennoch hat Deutschlands größte Formel-Nachwuchshoffnung vor allem mit dem Sieg am Ende einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Noch ist offen, wo man ihn im nächsten Jahr wiederfinden wird – Formel 1, Formel 2, DTM – alles ist möglich.

Deutschland rudert wieder allen davon

Start-Ziel-Sieg für den Deutschland-Achter! Vor dem WM-Zweiten USA und Olympiasieger Großbritannien überquerte das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes beim 17. Schleswig-Holstein Netz Cup nach 12,7 Kilometern die Ziellinie. Der WM-Vierte Niederlande kam abgeschlagen an. Mit diesem Sieg blieb die Crew von Bundestrainer Uwe Bender in dieser Saison unbezwungen. „Das bedeutet uns viel, wir wollten dieses Jahr ganz vorn mitspielen. Das macht uns stolz”, sagte Bender zum Saisonausklang beim härtesten Ruderrennen der Welt von Breiholz bis zur Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg.

„Der Start ist gut gelungen, da muss man erstmal Vollgas geben”, erklärte Bender die Strategie. Bei sommerlichen Bedingungen mussten sich die Athleten nach dem taktisch guten Beginn ihre Kräfte angesichts der ungewohnt langen Strecke etwas einteilen. Das US-Boot hatten sie allerdings immer im Nacken. Im Vergleich zum souveränen WM-Sieg in Sarasota/Florida war die Mannschaft auf nur einer Position geändert. Für Schlagmann Hannes Ocik rückte der erst 21 Jahre alte Duisburger Laurits Follert ins Boot.