Water

Maarten von der Weijden schwimmt 200 Kilometer durch Friesland – und wird zum Volksheld

Holländer bewältigt Elf-Städte-Tour nicht auf dem Eis, sondern im Wasser

Den Holländern ist die Elfstedentocht (dt. Elf-Städte-Tour) heilig. Beim längsten Natureis-Langstreckenrennen der Welt passieren Profis und Amateure auf zugefrorenen Entwässerungskanälen, Flüssen und Seen elf friesischen Orte.

Fast 200 Kilometer lang ist die „Tour der Touren“, die seit 1909 eine ganze Nation in Atem hält. Zuletzt nahmen 17 000 Eisschnellläufer am Rennen teil, rund 1,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Elfstedentocht am Ufer. Da jedoch die Kanäle im Winter seit Jahren nicht mehr genügend zufrieren, fand das letzte Rennen 1997 statt.

Das wollte der Niederländer Maarten van der Weijden nicht einfach hinnehmen. Der Langstrecken-Schwimmer, der 1998 in Peking Olympiasieger über 10 Kilometer wurde, nahm die Elfstedentocht jetzt schwimmend in Angriff. Dick eingepackt in einen Neoprenanzug, startete der 38-Jährige die Tortur durch Frieslands Kanäle.

Tortur über drei Tage und 74 Stunden

Über drei Tage und 74 Stunden benötigte van der Weijden für die große Runde nördlich des Ijsselmeer. Getragen wurde der Schwimmer von einer Welle der Euphorie. An jedem Ort, den er passierte, empfingen ihn tausende begeisterte Zuschauer. Für einige Kilometer wurde er immer wieder von anderen Schwimmern begleitet. Nachts schlief er im Begleitboot nicht mehr als drei Stunden, Betreuer versorgten ihn mit Getränken und Essen. Ärzte kontrollierten ständig seinen Gesundheitszustand.

Weijden wird auf dem Weg ins Ziel angefeuert.

Der Extremsportler hatte sich schon einmal im vergangenen Jahr an der Elf-Städte-Tour versucht, musste aber auf Anraten der Ärzte nach 163 Kilometern aufgeben. Van der Weijden war damals beim Schwimmen eingeschlafen.

Ich war wie besessen von der Tour. Aber es ist nicht gesund, so besessen zu sein, sagte Weijden nach seinem ersten Versuch, die Strecke zu bewältigen.

Vier Millionen Euro für die Krebsforschung

Trotzdem wagte der Schwimmer einen zweiten Anlauf. Auch, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Hintergrund: Van der Weijden erkrankte mit 22 Jahren an Leukämie, wurde geheilt und feierte später mit dem Olympiasieg ein fulminantes Comeback. Jetzt wollte er denen helfen, die immer noch den Kampf gegen den Krebs führen und sammelte Spenden. Dank seines Events kamen allein in diesem Jahr bereits mehr als 4 Millionen Euro zusammen.

Aus sportlicher Sicht schaffte van der Weijden das Unmögliche und erreichte nach 195 Kilometern das Ziel bei Leeuwarden, wo er von den Massen gefeiert wurde. „Es geht mir ziemlich gut. Ich habe vier Jahre lang trainiert. Dass es endlich geklappt hat, darüber bin ich sehr glücklich. Die Begeisterung der Menschen an der Strecke war enorm“, sagte der Schwimmer, der sogar Glückwünsche vom niederländischen Königspaar erhielt. „Was für eine Höchstleistung! Unsere herzlichsten Glückwünsche“, schrieben König Willem-Alexander und Königin Maxima.

Der König selbst hatte 1986 unter einem Pseudonym als Eisschnellläufer am Elfstedentocht teilgenommen. Heute ist nicht klar, ob das legendäre Rennen wegen des Klimawandels jemals wieder ausgetragen werden kann. Die cleveren Niederländer haben sich längst eine Ausweichstätte gesucht und tragen seit Jahren auf dem Weissensee im österreichischen Kärnten ihre alternative Elf-Städte-Tour aus.