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Oliver Zeidler: Ex-Schwimmer ist plötzlich Deutschlands Olympia-Hoffnung

Dieser Mann rudert allen davon

Als Oliver Zeidler bei der EM im Rudern Gold gewann, war er fassungslos. Nicht nur, dass der 22-Jährige auf dem Luzerner Rotsee der erste deutsche Europameister im Einer seit 1973 war, nein, Zeidler setzte auf geradezu magische Art und Weise die Erfolgsgeschichte seiner Familie fort.

Ich denke, von jetzt an glaube ich an Schicksal. Als ich ein Kind war, gab mir mein Großvater die Medaille von der Rotsee-Regatta von 1969. Exakt 50 Jahre später gewinne ich an der gleichen Stelle EM-Gold, schrieb Zeidler auf Instagram.

Zuvor lieferte der Bayer ein furioses Rennen ab und sicherte sich dank eines Schlussspurts vor dem Niederländer Stef Broenink den Titel. Der Sieg des Deutschen überraschte selbst Ruder-Experten, gilt doch Zeidler als Quereinsteiger in dieser so kraftraubenden Disziplin.

Ruder-Familie in 3. Generation

Noch war zweieinhalb Jahren war der Bayer Leistungsschwimmer, wurde unter anderem Junioren-Europameister und mehrfach Deutscher Meister. Nachdem er 2016 die Teilnahme an den Olympischen Spiele in Rio verpasste, löste sich seine Trainingsgruppe in München auf. Zeidler sattelte kurzerhand um und setzte die Familientradition im Rudern fort.

Sein Großvater Hans-Johann Färber feierte 1972 den Olympiasieg im Vierer. Papa Heino kam 1994 als WM-Vierter im Zweier ohne Steuermann ein. Onkel Matthias Ungemach wurde 1990 Weltmeister im traditionsreichen Achter, seine Tante Judith Zeidler gewann 1988 mit dem DDR-Achter Olympia-Gold. Und auch seine jüngere Schwester Marie-Sophie (20) feierte bei den Juniorinnen bereits einige WM- und EM-Erfolge. Klar, dass da auch bei Oliver Talent haften blieb…

Jedoch war der Wechsel vom Schwimmen zum Rudern für Zeidler kein Selbstläufer. Anfang 2017 verblüffte er die Fachwelt und gewann „im Trockenen“ auf Anhieb die Deutsche Ergometer-Meisterschaft, schlug da sogar Doppelvierer-Olympiasieger Tim Grohmann. „Danach hatte ich eine Anfrage vom Bundestrainer Uwe Bender aus Dortmund, der den Achter trainiert. Aber ich musste ihm sagen, dass das wenig Sinn macht – weil ich nämlich überhaupt nicht rudern kann“, sagte Zeidler der BILD.

Nächster Stopp: Tokio 2020.

Was folgte, waren schweißtreibende Einheiten mit Papa Heino, in denen er vor allem die Ruder-Technik erlernen musste. „Die ersten Male bin ich immer ins Wasser gefallen“, erinnerte sich der 2,03-Meter-Hüne. Über den Witz, als ehemaliger Leistungsschwimmer könne er problemlos selbst für seine Rettung sorgen, kann er heute nur noch müde lächeln. „Er ist im positiven Sinne ein absolut Bekloppter. Was er sich vornimmt, setzt er zu 120 Prozent um“, sagte Papa Heino der Deutschen Presseagentur.

Schon letztes Jahr schaffte der Student bei den Erwachsenen den Durchbruch und sicherte sich im Einer den Gesamt-Weltcup. Was ihm noch fehlte, war ein großer internationaler Titel. Den errang Zeidler in diesem Jahr ausgerechnet auf dem Luzerner Rotsee, da, wo vor 50 Jahren sein Opa triumphierte. „Da schließt sich jetzt ein Kreis“, sagte Zeidler junior, der plötzlich zu den großen deutschen Medaillenhoffnungen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zählt.

Er bringt physisch alle Voraussetzungen mit und hat auch im Boot ein gewisses Gefühl für das Wasser. Er ist wie ein Sechser im Lotto, lobte Chef-Bundestrainer Ralf Holtmeyer.

Kein Wunder bei dieser Familien-Geschichte.