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Hat Usain Bolt das Zeug zum Profi-Kicker?

Schnellster Mensch aller Zeiten startet in Australien eine zweite Laufbahn als Fußballer

Schon wieder schreibt er Sportgeschichte! Ex-Sprintstar Usain Bolt arbeitet an einer zweiten Laufbahn als Profi-Fußballer. Der schnellste Mensch aller Zeiten gab für den australischen Erstligisten Central Coast Mariners in einem Freundschaftsspiel gegen Macarthur South West United sein Startelf-Debüt und erzielte auf Anhieb einen Doppelpack.

„Bei meinem Debüt zu treffen, ist ein gutes Gefühl. Es ist schön, der Welt zu zeigen, dass ich mich verbessere“, sagte Bolt, der sein erstes Profitor mit seinem berühmten Blitz-Jubel zelebrierte.

Ist das der Beginn seiner zweiten großen Karriere?

Schon als Leichtathlet sprach Bolt häufig davon, nach seiner aktiven Zeit Profi-Kicker werden zu wollen. Der achtfache Olympiasieger und Weltrekordler über 100 Meter (9,58 sec.) und 200 Meter (19,19 sec.) beendete 2017 bei der WM in London seine Laufbahn und kündigte kurz darauf an:

Es war schon als Kind mein Traum, Fußballer zu werden. Das ist mein persönliches Ziel. Mir ist es egal, was andere Leute darüber sagen.

Probetraining beim BVB nur ein PR-Gag

Anfang des Jahres gab Bolt den Anstoß. Der Weltrekord-Mann und der südafrikanische Erstligist Mamelodi Sundowns FC kündigten via Twitter eine „große Nachricht“ an. Doch die erhoffte Verpflichtung des Jamaikaners entpuppte sich als PR-Gag. Auch die folgenden Probetrainings bei Bundesligist Borussia Dortmund und dem norwegischen Klub Stromsgodset sorgten für große mediale Aufmerksamkeit. Fußballerisch überzeugen und sich für einen Vertrag empfehlen konnte sich der Ex-Sprintstar dabei aber nicht.

Im Sommer wagte der 32-Jährige Down Under einen neuen Anlauf. Bei den Central Coast Mariners aus der westaustralischen Küstenstadt Gosford (75 Kilometer nördlich von Sydney) stieg Bolt in die Saisonvorbereitung ein. „Er hat es ordentlich gemacht. Er hat rudimentäre Fähigkeiten und bringt mehr Speed mit, als wir brauchen“, sagte Mariners-Trainer Mike Mulvey nach den ersten Einheiten.

Bolts Problem: Die überschüssigen PS auf den Platz zu bringen. Neben dem Tempo mit Ball machen dem 1,95 Meter großen Stürmer die schnell wechselnden Bewegungen beim Fußball zu schaffen. „Ich bin es nicht gewöhnt, auf und ab zu laufen, plötzlich abzustoppen und Haken zu schlagen. Das ist die größte Herausforderung“, sagte der Quereinsteiger.

Bolts Debüt für die Mariners gegen eine Amateurauswahl fiel dann auch ziemlich unspektakulär aus. Bei dem 20-minütigen Kurzeinsatz kam der schlaksige Linksaußen mit der Trikotnummer 95 auf neun Ballkontakte, führte zwei Zweikämpfe und war meist einen Schritt zu spät. „Er hat sich nicht blamiert“, lautete das ernüchternde Urteil von Coach Mulvey.

Was auffällt: Bolt fehlt es noch an Match-Härte und Fitness. Auch die fehlende Technik und taktisches Verständnis verhinderten bislang seinen Durchbruch. Scharfe Kritik kam vom deutschen Ex-Nationalspieler und Trainer des Ligakonkurrenten Western Sydney Wanderers, Markus Babbel: „Als PR-Aktion ist es sensationell. Die A-League erhält durch ihn viel Aufmerksamkeit. Aber, ehrlich gesagt, kann ich das nicht ernst nehmen“, sagte der 46-Jährige und fügte hinzu. „Ich hab ihn spielen sehen. Bei aller Liebe, das reicht in 100 Jahren nicht. Als Spieler würde ich mir verarscht vorkommen.“

Immerhin, mit seinem Doppelpack im Test-Match gegen Macarthur South West United machte der ehrgeizige Jamaikaner klar, dass er sich steigern und dazulernen kann. „Durch harte Arbeit werden Träume wahr“, schrieb er bei Instagram. In diesen Tagen steigt seine Mannschaft in den Spielbetrieb der australischen A-League ein. Ob dann Bolt zum Kader der Mariners gehört, ist unwahrscheinlich. Coach Mulvey, der um die Brisanz seines prominenten Spielers weiß, will sich bis Januar entscheiden, ob Bolt einen Profi-Vertrag erhält. Dann hätte der Jamaikaner wieder Geschichte geschrieben.