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Usain Bolt: Vom BVB-Fußball-Traum mit Hochgeschwindigkeit ins Aus

Womit will er seinen Weltrekord jetzt toppen?

Er ist eine lebende Leichtathletik-Legende. Usain Bolt hat im Leistungssport alles erreicht, was man erreichen kann. Acht olympische Goldmedaillen und elf Mal Gold bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften gewann er in seiner Laufbahn. Doch das ist dem schnellsten Sprinter der Welt nicht genug.

Training beim BVB
Fußball-Pleite bei den Mariners
Mit 44 km/h auf neuen Wegen

Seit dem Ende seiner Lauf-Karriere jagt der Jamaikaner dem Traum seiner Kindheit nach, der ihm immer wieder entgleitet. Der Riesenfan von Manchester United will Profifußballer werden. Wollte. Denn nach Probe-Trainings beim BVB und beim australischen Verein Central Coast Mariners steht der 32-Jährige nun doch ohne Profivertrag da.

Was treibt diesen Sportler in seinem fortgeschrittenen Alter an, sich noch einmal neu zu erfinden?

Bolt und der BVB: Fußball-Karriere oder Herzensangelegenheit?

Anfang 2018 gab Bolt den Anstoß. Der Weltrekord-Mann und der südafrikanische Erstligist Mamelodi Sundowns FC kündigten via Twitter eine „große Nachricht“ an. Doch die erhoffte Verpflichtung des Jamaikaners entpuppte sich als PR-Gag. Auch die folgenden Probetrainings bei Bundesligist Borussia Dortmund und dem norwegischen Klub Stromsgodset sorgten für große mediale Aufmerksamkeit.

Die Gerüchteküche brodelte schon lange, bevor Usain Bolt tatsächlich im schwarz-gelben Dress zum Training in Dortmund auflief. Der schnellste Mann der Welt mit Fußball-Ambitionen schien dem BVB offenbar eine Chance wert. Schon Pierre-Emerick Aubameyang beeindruckte die Borussen vor allem durch seine Geschwindigkeit auf dem Platz. Bolt sollte in Sachen Speed wohl noch einen draufsetzen.

Usain Bolt beim BVB
Usain Bolt trainiert beim BVB.

Entgegen anfänglicher PR-Gerüchte, nahm der Jamaikaner seinen Einsatz beim BVB sehr einst.

„Ich will mich beweisen. Ich will schauen, auf welchem Level ich bin, was ich machen muss, und ob ich es schaffen kann“, sagte er über seine Motivation gegenüber der australischen Zeitung "Herald Sun Sport". „Ich weiß, dass ich es schaffen kann, weil ich hart und entschlossen arbeite“, setzte er nach.

Über seinen Gast-Status hinaus kam Usain Bolt, der mit einer Größe 1,95 m prädestiniert für Kopfbälle wäre, allerdings nicht.

Dortmunds Ex-Trainer Peter Stöger äußerte sich skeptisch zum Auftritt des berühmten Probespielers: „Er ist in einem Alter, wo ich sage, er ist nicht mehr so wahnsinnig entwicklungsfähig.“

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Mariners: Mit km/h-Bonus zum Spitzenfußballer?

Schon als Leichtathlet sprach Bolt häufig davon, nach seiner aktiven Zeit Profi-Kicker werden zu wollen. Der achtfache Olympiasieger und Weltrekord-Halter über 100 m (9,58 sec.) und 200 m (19,19 sec.), der mit einer Spitzengeschwindigkeit von 44,72 km/h auf den ersten zehn Metern doppelt so schnell beschleunigte wie ein Kleinwagen, beendete 2017 bei der WM in London seine Laufbahn und kündigte kurz darauf an:

Es war schon als Kind mein Traum, Fußballer zu werden. Das ist mein persönliches Ziel. Mir ist es egal, was andere Leute darüber sagen.
Usain Bolt mit Medaillen
Usain Bolt mit seinen Medaillen über 100 m und 200 m.

Die Vorstellung, wie eine solche Urgewalt samt Ball auf das gegnerische Tor zuprescht, lassen einen Usain Bolt gern verpflichten. Doch mit seiner Schnelligkeit allein konnte Bolt nicht überzeugen. Manch kritische Stimme fand sogar recht heftige Worte für seine Performance am Ball:

Ich habe ihn spielen sehen. Bei aller Liebe, das reicht in einhundert Jahren nicht. Als Spieler würde ich mir verarscht vorkommen,urteilte Markus Babbel, der in Australien die Sydney Wanderers trainiert.

Bolts Problem: Die überschüssigen PS auf den Platz zu bringen. Neben dem Tempo mit Ball machten dem 1,95 Meter großen Stürmer die schnell wechselnden Bewegungen beim Fußball zu schaffen: „Ich bin es nicht gewöhnt, auf und ab zu laufen, plötzlich abzustoppen und Haken zu schlagen. Das ist die größte Herausforderung.“

Die Central Coast Mariners hätten dem 32-jährigen Quereinsteiger zwar mit Luft nach oben verpflichtet und ihm somit ein Sprungbrett in die australische A-League geboten. Doch Bolt lehnte dankend ab. Finanziell konnten sich der Superstar und der australische Klub trotz Bemühungen um Sponsoring nicht einigen. Ein Vermögen von 3 Millionen Dollar pro Jahr hatte Bolt gefordert - mit 150.000 Dollar konterten die Mariners.

Von Mitte August bis November 2018 hatte Usain Bolt in Down Under trainiert und bei einem Wohltätigkeitsspiel zwei Tore versenkt.

Bolt auf neuen Wegen: Was kommt nach dem Fußball?

Auch dem maltesischen Club Valletta zeigte Bolt im Oktober 2018 die Rote Karte. Für zwei Jahre hätte der Jamaikaner in Malta sein Glück versuchen können. Stattdessen erklärte der 32-Jährige seine Fußball-Ambitionen für beendet. Was hinter dem plötzlichen Rückzieher steckt, darüber schweigt Usain Bolt sich aus. Möglicherweise schätzt der Mann, der die Profi-Fußballkarriere als sein "persönliches Ziel" bezeichnet hat, "egal, was andere Leute darüber sagen", sein Potential auf dem Rasen inzwischen realistischer ein.

Das Sportleben ist vorüber. Ich wende mich jetzt anderen Geschäften zu,sagte der 32-Jährige dem TV-Sender „Television Jamaica“ in Kingston.

Worum es sich bei diesen neuen "Geschäften" handelt, will die Sprint-Ikone noch nicht verraten. Doch er habe „viele Dinge in der Pipeline“.

Als Olympia-Star, der sich dank seines konstanten Erfolges etliche Sponsoren geangelt hat, dürfte er sich gut über Wasser halten können. Allein Puma versorgt den bestbezahlten Sprinter aller Zeiten bis 2025 mit umgerechnet 8,8 Millionen Euro im Jahr, wie das US-Magazin Forbes herausgefunden hat. Genug Taschengeld also, um weiterhin mit Freundin Kasi Bennett umher zu jetten und "die Welt zu erobern".